Altersvorsorgedepot ab 2027: Lohnt sich der neue Sparplan für dich?
Lohnt sich ein Altersvorsorgedepot in 2027?
Ab 2027 kommt ein neues Sparprodukt auf den Markt, das dir bis zu 540 Euro staatliche Zulage pro Jahr bescheren kann: das Altersvorsorgedepot, kurz (AVD).
Klingt erstmal verlockend, oder? Kostenlose Zulagen vom Staat, Steuervorteile und ein bisschen mehr Rente am Ende wer will das nicht? Doch wie so oft im Finanzbereich steckt der Teufel im Detail, und es gibt durchaus Stimmen, die skeptisch sind.
Manche befürchten, dass sich der Staat die Förderung später über die Besteuerung einfach zurückholt. Andere warnen vor einem echten Kostenrisiko, weil noch völlig unklar ist, was die Anbieter für die Verwaltung verlangen werden. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick:
Denn ob sich das Altersvorsorgedepot für dich am Ende auszahlt oder nicht, hängt von vier ganz konkreten Hebeln ab, die du selbst mitgestalten oder zumindest einschätzen kannst. Genau die schauen wir uns jetzt gemeinsam an.
So funktioniert das Altersvorsorgedepot
Das AVD ist ein staatlich gefördertes Depot, das zum 1. Januar 2027 starten soll. Dabei kannst du zwischen zwei Varianten wählen:
- Selbstverwaltetes Depot: Du suchst dir deine ETFs oder Fonds selbst aus. Einzelaktien, Kryptowährungen oder gehebelte ETFs sind tabu, ebenso wie Produkte mit zu hoher Risikoklasse.
- Standarddepot: Hier bestimmt der Anbieter zwei Fonds für dich einen risikoarmen (zum Beispiel Staatsanleihen) und einen risikobehafteten (etwa einen weltweiten Aktien-ETF).
Daneben wird es auch noch Garantieprodukte von Versicherungen geben, die aber hier erstmal außen vor bleiben, weil wir uns auf die ETF-Lösungen konzentrieren.
Egal für welche Variante du dich entscheidest: Beide werden von Anfang an gleich gefördert. Diese Förderung setzt sich aus drei Bausteinen zusammen.
Baustein 1: Die Zulage
Auf die ersten 360 Euro, die du im Jahr einzahlst (also 30 Euro im Monat), bekommst du 50 Prozent Zulage. Auf alles, was darüber hinausgeht bis maximal 1.800 Euro im Jahr, gibt es noch einmal 25 Prozent. Zahlst du also monatlich 150 Euro ein, landest du bei der maximalen Zulage von 540 Euro pro Jahr. Die Mindesteinzahlung liegt übrigens bei 120 Euro im Jahr, also 10 Euro im Monat.
Wer Kinder hat, bekommt zusätzlich eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind - dein Einzahlungsbetrag wird dabei einfach verdoppelt, gedeckelt bei 300 Euro. Diese Zulage gibt es aber nur einmal pro Kind, ihr müsst euch als Eltern also einigen, wer sie bekommt. Unter 25 Jahren gibt's obendrauf noch einen Bonus von 200 Euro.

Zulagen im Altersvorsorgedepot
Baustein 2: Die Steuererstattung
Deine Einzahlungen und die Zulagen kannst du von der Steuer absetzen maximal 1.800 Euro plus Zulagen. Wichtig: Zulage und Steuererstattung bekommst du nicht doppelt. Von deiner Steuerrückerstattung wird die bereits erhaltene Zulage abgezogen, du bekommst also nur die Differenz.
Je mehr du verdienst, desto größer fällt deine Steuerersparnis aus, weil dein persönlicher Steuersatz höher liegt. Die Zulage sorgt dafür, dass auch Geringverdiener eine spürbare Mindestförderung bekommen.
Baustein 3: Keine Kapitalertragssteuer
Während der gesamten Laufzeit, egal ob beim Umschichten von ETFs oder beim Auflösen eines Fonds, fällt keine Kapitalertragssteuer und auch keine Vorabpauschale an. Das ist ein handfester Vorteil gegenüber einem normalen ETF-Sparplan.
Die vier Hebel, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden
Hebel 1: Die Steuer in der Rentenphase
Hier liegt der entscheidende Haken. In der Auszahlungsphase wird nicht nur die Rendite versteuert, sondern das komplette Guthaben - also Einzahlungen, Zulagen und Erträge zusammen - mit deinem persönlichen Einkommenssteuersatz. Das klingt zunächst nach einem schlechten Deal, schließlich zahlst du bei einem normalen Depot nur auf die Gewinne Steuern.
Rechnet man es aber sauber durch, gleicht sich das mathematisch aus: Ob die Steuer vor oder nach der Rendite abgezogen wird, spielt am Ende keine Rolle, solange der Steuersatz gleich bleibt. Der eigentliche Vorteil des AVD liegt darin, dass die Kapitalertragssteuer komplett wegfällt - die zahlst du bei einem normalen ETF-Sparplan nämlich zusätzlich.
Entscheidend ist außerdem: Ist dein Steuersatz in der Rente niedriger als heute (was bei den meisten Erwerbsbiografien der Fall ist), profitierst du zusätzlich. Ist er höher, kehrt sich der Vorteil um.
Hebel 2: Die Kinderzulage
Wer Kinder hat, bekommt spürbar mehr Förderung - bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Das kann den Unterschied zwischen AVD und normalem Sparplan deutlich vergrößern.
Hebel 3: Die Kosten
Hier herrscht noch die größte Unsicherheit. Anders als bei normalen Depots wird das AVD bei den meisten Anbietern vermutlich Geld kosten, weil die Verwaltung der Zulagen aufwendig ist und oft an Dienstleister ausgelagert wird.
| Anbietertyp | Erwartete Kosten pro Jahr |
|---|---|
| Manche Broker | kostenlos |
| Neobroker / Direktbanken | bis zu 0,5 % |
| Sparkassen / Volksbanken | eher darüber |
| Standarddepot (gesetzlicher Deckel) | maximal 1 % |
Je höher die Kosten, desto weniger lohnt sich das AVD im Vergleich zum normalen ETF-Sparplan. Bei den Standarddepots gibt es immerhin einen gesetzlichen Kostendeckel von 1 Prozent, in dem die ETF-Kosten schon enthalten sind.

Altersvorsorgedepot ab 2027
Hebel 4: Die Flexibilität
Hier musst du klare Abstriche machen. Anders als beim ETF-Sparplan kannst du nicht frei über dein Vermögen verfügen. Die Auszahlung erfolgt als Rentenplan, frühestens ab 65, spätestens musst du mit 70 starten, und die Auszahlungsphase muss mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen. Einmalig darfst du dir zu Rentenbeginn 30 Prozent des Vermögens auf einen Schlag auszahlen lassen - Achtung, das kann einen ordentlichen Steuerschock auslösen, weil es dein Einkommen in diesem Jahr deutlich erhöht.
Brauchst du das Geld vor der Rente, kommst du praktisch nicht heran. Eine Kündigung ist zwar möglich, dann müssen aber sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden.
Was der Rechner zeigt
Mit einem Altersvorsorgedepot-Rechner lässt sich simulieren, wie sich Einkommen, Kinderzahl und Kosten auf den Vergleich zwischen AVD und normalem ETF-Depot auswirken. Ein paar Erkenntnisse daraus:
- Je höher dein Einkommen in der Ansparphase, desto größer der Vorteil des AVD.
- Je höher dein Einkommen im Ruhestand, desto kleiner wird der Vorteil irgendwann überholt der normale ETF-Sparplan sogar das AVD.
- Mit jedem Kind wächst der Vorteil des AVD spürbar.
- Steigen die Kosten Richtung 1 Prozent, schmilzt der Vorteil des AVD deutlich zusammen.
Fazit: Abwarten statt Goldgräberstimmung
Aktuell herrscht in der Finanzbranche eine regelrechte Goldgräberstimmung. Viele Anbieter wittern ein riesiges Neugeschäft und werden mit Wartelisten, vermeintlich exklusiven Vorab-Angeboten und teils recht teuren Produkten um deine Aufmerksamkeit buhlen. Lass dich davon nicht drängen: Die Eröffnung ist frühestens ab dem 1.1.2027 möglich, und es gibt keinerlei Vorteil, zu den Ersten zu gehören - eher im Gegenteil, denn nicht alle Anbieter werden pünktlich startklar sein. Ein späterer Anbieterwechsel ist zwar möglich, kann in den ersten fünf Jahren aber bis zu 150 Euro kosten.
Unterm Strich lohnt sich das Altersvorsorgedepot vor allem dann, wenn dein Steuersatz in der Rente niedriger ist als heute, du einen günstigen Anbieter erwischst, bereit bist auf Flexibilität zu verzichten, und im besten Fall auch noch Kinder hast. In jedem Fall sparst du dir gegenüber dem normalen ETF-Sparplan die Kapitalertragssteuer.
Beobachte die Entwicklung der Anbieter in Ruhe, rechne deine persönliche Situation durch, und triff erst dann eine Entscheidung, wenn die Angebote tatsächlich verfügbar und vergleichbar sind.
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Frühestens ab dem 1. Januar 2027, vorher gibt es dieses Produkt offiziell noch nicht.
Lohnt sich das AVD für jeden gleich?
Nein, es hängt stark von deinem aktuellen und künftigen Steuersatz, der Kinderzahl, den Anbieterkosten und deinem Bedürfnis nach Flexibilität ab.
Was passiert, wenn ich vorzeitig an mein Geld möchte?
Das ist grundsätzlich nur über eine Kündigung möglich, bei der du sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen musst.
Zahle ich in der Rente auf das gesamte Guthaben Steuern?
Ja, anders als beim normalen ETF-Sparplan wird beim AVD das komplette ausgezahlte Guthaben mit deinem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert, nicht nur die Gewinne.
Sollte ich mich jetzt schon bei einem Anbieter vorregistrieren?
Es gibt keinen Vorteil, früh dabei zu sein, da der Start ohnehin erst 2027 erfolgt und viele Angebote noch gar nicht final feststehen.