Events sind tot
Events sind tot Grafik von 1920-2026+
Kaum eine Behauptung hält sich so hartnäckig wie diese: "Events sind tot." Du hast sie wahrscheinlich selbst schon gehört, vielleicht sogar selbst gedacht. Erst kam das Internet, dann Social Media, dann Corona, jetzt ist es die künstliche Intelligenz. Jedes Mal derselbe Reflex: Wozu noch physisch irgendwo hinfahren, wenn doch alles digital verfügbar ist?
Das Erstaunliche daran: Diese Todeserklärung ist keine neue Erfindung der KI-Ära. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die vergangenen hundert Jahre Technikgeschichte. Und jedes Mal, wenn eine neue Technologie Events überflüssig machen sollte, ist genau das Gegenteil passiert. Die Branche ist gewachsen. Wer verstehen will, warum das so ist, bekommt hier nicht nur einen Blick zurück, sondern auch eine Erklärung dafür, warum persönliche Begegnungen gerade jetzt wichtiger werden als je zuvor.
Eine kurze Geschichte des "Events sind tot"-Irrtums
Schon in den 1920er Jahren, als Radiosender begannen, Sportveranstaltungen live zu übertragen, machten sich Vereine ernsthaft Sorgen. Die Angst: Wenn Fans das Spiel kostenlos von zu Hause aus verfolgen können, kauft niemand mehr ein Ticket. Mehrere Baseballclubs in den USA verweigerten deshalb konsequent Radioübertragungen, die New Yorker Clubs hielten sogar bis Ende der 1930er Jahre an einem regelrechten Radio-Bann fest. Was tatsächlich passierte: Radio baute Fanbases auf, die weit über das lokale Stadionpublikum hinausgingen.
Dieses Muster wiederholt sich seitdem in bemerkenswerter Regelmäßigkeit. In den 1980er und 90er Jahren sollten Videokonferenzen Geschäftsreisen um bis zu 50 Prozent reduzieren, so die Prognosen. Später stellte sich heraus: Videokonferenzen ergänzen persönliche Treffen, sie ersetzen sie nicht. Als das Internet massentauglich wurde, entstanden ab 1998 erste virtuelle Messen mit digitalen Ständen und Video-Keynotes. Gleichzeitig erschien 1999 eine Publikation mit einem bezeichnenden Titel: Die deutsche Messewirtschaft boomt, das Internet kann Messen nicht ersetzen.
Krisen als Beschleuniger, nicht als Totengräber
Besonders spannend wird es bei echten Krisen. Die SARS-Epidemie 2003 führte real zu abgesagten Kongressen und verschobenen Messen, Computex wurde verschoben, CommunicAsia komplett abgesagt. Und doch organisierte die WHO mitten in der Krise einen Kongress mit über 1.000 Wissenschaftlern in Kuala Lumpur. Selbst während einer Epidemie blieb der Bedarf nach physischem Austausch bestehen.
Die Finanzkrise 2008 lieferte ein ganz ähnliches Bild. Eine Befragung aus dieser Zeit ergab, dass 76 Prozent der befragten Führungskräfte virtuelle Events nutzen wollten, um physische Veranstaltungen zu ersetzen. 42 Prozent erwarteten einen Rückgang der Teilnahme an Messen um bis zu die Hälfte. Unternehmen ersetzten reale User Conferences durch Webinare, oft aus Kostengründen und wegen gestrichener Reisebudgets. Trotzdem kündigten viele schon damals an, später zu Präsenzformaten zurückzukehren, weil beim Online-Format schlicht das Networking fehlte.
Ähnliches lässt sich bei Second Life beobachten. Zwischen 2006 und 2008 experimentierten Konzerne wie IBM, Cisco und Amazon mit virtuellen Meetings und Konferenzen in der digitalen Welt. Es wurde ernsthaft diskutiert, ob globaler Handel künftig in virtuellen Räumen stattfinden könnte. Praxistests zeigten schnell: Die Technologie konnte reale Treffen noch nicht ersetzen.

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Was hinter jeder Welle wirklich steckt
Wenn du dir die Muster genauer ansiehst, erkennst du immer dieselben drei Treiber, die diese Todeserklärungen befeuern.
| Treiber | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Kostendruck | Events sind teuer und sichtbar, in Krisen greift das Controlling zuerst hier zu |
| Technologie-Hype | Anbieter neuer digitaler Tools verkaufen ihr Produkt am liebsten über das Totsagen des Bestehenden |
| Aufmerksamkeitsökonomie | "Das Ende der Messe" klickt einfach besser als "Events laufen weiter solide" |
Genau das passiert gerade wieder, nur mit KI als Auslöser. Künstliche Intelligenz macht Content für alle in Sekunden zugänglich und nahezu kostenlos. Das Ergebnis kennst du: Jeder LinkedIn-Post, jedes Angebot, jeder Pitch wirkt plötzlich austauschbar. Und genau das erzeugt wieder denselben Effekt wie 1999. Wenn digitale Inhalte beliebig und gleich werden, wird das Nicht-Digitale wertvoll. Sich live zu treffen, in die Augen zu schauen, gemeinsam etwas zu erleben, das bleibt der stärkste Kanal, um echtes Vertrauen zwischen Marke und Mensch aufzubauen.

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Nicht jede historische Parallele ist gleich stark
Wichtig ist an dieser Stelle Ehrlichkeit: Nicht alle Wellen lassen sich gleich gut belegen. Sehr belastbar mit echten Zitaten, Studien und Presseartikeln sind die Dotcom-Ära, der 11. September, das Tabakwerbeverbot, die Finanzkrise mit ihren Webinaren, COVID sowie die aktuelle KI- und VR-Entwicklung. Deutlich dünner ist die Faktenlage bei frühen Wellen wie Fax und Satelliten-TV in den 1980ern. Dass dort ernsthaft von toten Events die Rede war, lässt sich kaum sauber belegen. Auch beim MTV-Beispiel richtete sich die damalige Untergangsstimmung eher gegen Radio und Plattenläden als gegen Live-Konzerte, schließlich hieß der Song "Video Killed the Radio Star" und nicht "the Live Show".
Fazit: Die Bühne bleibt der Ort für echtes Vertrauen
Die Geschichte wiederholt sich mit erstaunlicher Präzision. Jede neue Technologie, die Information billiger und schneller macht, lässt gleichzeitig Vertrauen knapper werden. Und Vertrauen entsteht am besten dort, wo Menschen sich wirklich begegnen. Radio, Teleconferencing, das frühe Internet, Social Media, Corona und jetzt KI, sie alle sollten Events überflüssig machen. Stattdessen haben sie die Eventbranche jedes Mal gestärkt.
Wenn du das nächste Mal liest oder hörst, dass Events bald ausgedient haben, erinnere dich an diese hundertjährige Geschichte. Beobachte in deinem eigenen Umfeld, wie oft digitale Tools echte Begegnungen ersetzen sollten und wie oft am Ende doch wieder ein Live-Treffen den Unterschied gemacht hat. Genau das ist dein Ansatzpunkt, um selbst auf physische Begegnungen zu setzen, gerade jetzt, wo digitaler Content beliebig geworden ist.
Warum wird "Events sind tot" immer wieder behauptet?
Weil jede neue Technologie, die Information oder Kommunikation billiger macht, kurzfristig den Eindruck erweckt, physische Treffen seien überflüssig geworden, langfristig zeigt sich aber meist das Gegenteil.
Gibt es echte Belege für diese wiederkehrenden Todeserklärungen?
Ja, besonders gut dokumentiert sind die Radioübertragungen der 1920er Jahre, die Diskussionen um virtuelle Messen ab 1998 sowie die Webinar-Welle während der Finanzkrise 2008 bis 2010.
Warum wachsen Events trotz KI und Digitalisierung weiter?
Weil digitale Inhalte durch KI zunehmend austauschbar werden und echte, persönliche Erlebnisse dadurch an Wert gewinnen, sie schaffen das Vertrauen, das online kaum entsteht.
Sollte ich jede historische Parallele eins zu eins übernehmen?
Nein, manche Beispiele wie frühe Fax- oder Satelliten-TV-Ängste sind eher schwach belegt und sollten vorsichtig formuliert werden, wenn du sie in eigenen Argumentationen verwendest.
Wie kann ich diese Erkenntnis für mein eigenes Business nutzen?
Prüfe, an welcher Stelle du auf persönliche Begegnungen mit Kunden oder deiner Zielgruppe setzt, und verstärke genau diesen Kanal, statt ihn zugunsten rein digitaler Formate zu reduzieren.