Fachkräftemangel: Wie kleine Betriebe als Arbeitgeber sichtbar werden

Eine Businessfrau diskutiert im Meeting über Fachkräftemangel und Arbeitgebermarke.

Digitale Sichtbarkeit ist ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.

"Wir erhalten einfach keine qualifizierten Bewerbungen mehr“. Solche und ähnliche Aussagen hören wir täglich in unseren Beratungsgesprächen. Der Fachkräftemangel hat längst seine Spuren hinterlassen, besonders bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region. Die Folgen sind spürbar: Projekte ziehen sich in die Länge oder müssen sogar ganz abgegeben werden, weil schlichtweg das Personal fehlt.

Umso wichtiger ist es insbesondere für kleine Betriebe, online sichtbar zu werden – und das nicht nur als Dienstleister oder Industriebetrieb, sondern auch und vor allem als Arbeitgeber. Doch wie kann das gelingen? Welche Maßnahmen bringen etwas?

Google Business Profil: Der unterschätze erste Schritt

Was macht ein Mensch, wenn er sich für ein Unternehmen interessiert? Er googelt. Das gilt für Bewerber genauso wie für Kunden. Das Google Business Profil ist oft der erste Berührungspunkt, den ein potenzieller Bewerber mit einem Betrieb hat.

„Was viele unterschätzen: Das Google Business Profil erscheint nicht nur bei der Suche nach Produkten oder Dienstleistungen, sondern auch bei Arbeitgebersuchen wie "Elektriker Betrieb Leer" oder "Metallbau Ausbildung Emsland". Wer hier mit aktuellen Fotos, einer aussagekräftigen Unternehmensbeschreibung und regelmäßigen Beiträgen präsent ist, hinterlässt einen professionellen ersten Eindruck“, erklärt Online Marketing Managerin Wibke Groenewold, Christmann und Woll GmbH.

Wichtig dabei: Das Profil sollte nicht nur einmal eingerichtet und dann vergessen werden. Regelmäßige Beiträge, aktuelle Öffnungszeiten, Antworten auf Bewertungen und aussagekräftige Fotos aus dem Betriebsalltag signalisieren nach außen, dass hier ein aktives, lebendiges Unternehmen steht.

Social Recruiting: Bewerber dort abholen, wo sie täglich sind

Stellenanzeigen auf klassischen Jobportalen allein reichen heute nicht mehr aus. Ein Elektriker in seinen Dreißigern, der sich vielleicht nicht aktiv bewirbt, aber offen für Neues wäre, wird nicht auf Stepstone schauen. Er scrollt aber wie viele andere auch durch Instagram. Genau dort können kleine Betriebe ihn erreichen, wenn sie die richtigen Werbemittel einsetzen.

Social Recruiting bedeutet, zielgerichtete Anzeigen auf Meta-Plattformen zu schalten, die Menschen ansprechen, die nicht aktiv suchen, aber latent wechselbereit sind. „Diese Zielgruppe ist groß und wird von den wenigsten kleinen Unternehmen bespielt. Entscheidend ist dabei nicht das Budget allein, sondern die Botschaft: Was macht diesen Betrieb als Arbeitgeber besonders? Warum lohnt es sich, genau dort zu arbeiten?“, so Groenewold weiter.

In der Praxis zeigt sich, dass ehrliche Einblicke in den Arbeitsalltag deutlich besser funktionieren als hochglanzpolierte Imagevideos. Ein kurzes Smartphone-Video aus der Werkstatt, ein Mitarbeiter der erzählt warum er seit zehn Jahren im Betrieb ist, ein Bild vom letzten Betriebsausflug: Das wirkt authentisch und schafft Vertrauen.

Eine Person tippt auf ihrem Smartphone, während sie im Café sitzt und die Sichtbarkeit ihres Unternehmens steigert.

Die Jobsuche beginnt heute häufig auf dem Smartphone – Social Recruiting erreicht potenzielle Bewerber direkt in ihrem Alltag.

Employer Branding: Was macht einen kleinen Betrieb attraktiv?

Große Konzerne haben Personalabteilungen, die sich ausschließlich um das Thema Arbeitgebermarke kümmern. Kleine Betriebe haben das nicht, und das ist in gewisser Weise sogar ein Vorteil: Sie können authentischer sein. Die persönliche Atmosphäre, kurze Entscheidungswege, der direkte Draht zur Führungsebene oder das familiäre Miteinander sind Qualitäten, die viele Arbeitnehmer explizit suchen und bei großen Unternehmen nicht finden.

Das Problem: Diese Qualitäten müssen auch kommuniziert werden. Wer nach außen hin keine Persönlichkeit zeigt, hat keine Arbeitgebermarke. Das muss keine aufwändige Kampagne sein. Schon kleine Maßnahmen können viel bewirken. Wer sein Team auf der Website vorstellt, regelmäßig aus dem Betriebsalltag berichtet und die Karriereseite informativ gestaltet, zeigt Bewerbern, was das Unternehmen ausmacht.

Mitarbeiter zeigen in der Werkstatt, wie man bei Fachkräftemangel als Arbeitgeber sichtbar wird.

Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag stärken die Arbeitgebermarke.

Die eigene Website als Recruiting-Instrument

Viele Unternehmenswebsites enthalten zwar einen Menüpunkt "Jobs" oder "Karriere", mehr aber auch nicht. Eine gut gestaltete Karriereseite jedoch beantwortet die Fragen, die Bewerber wirklich beschäftigen: Wie ist die Unternehmenskultur? Was bietet der Betrieb neben dem Gehalt? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Wer sind meine zukünftigen Kollegen? Wer diese Fragen auf seiner Website beantwortet, baut Vertrauen auf.

„Auch technisch kann man einiges beachten: Stellenanzeigen sollten so geschrieben sein, dass sie auch bei Google gefunden werden. Wichtige lokale Schlagwörter wie der Ortsname zusammen mit dem Berufsfeld, eine klare Seitenstruktur und schnelle Ladezeiten sind dabei Grundvoraussetzungen, damit die eigene Karriereseite Besucher erhält“, sagt Groenewold.

Fazit: Für kleine Betriebe ist es essenziell, online sichtbar zu sein.

Der Wettbewerb um Fachkräfte ist real und wird in den kommenden Jahren nicht leichter. Kleine und mittelständische Betriebe, die jetzt in ihre digitale Sichtbarkeit als Arbeitgeber investieren, verschaffen sich einen wichtigen Vorsprung. Es braucht keine aufwändige Gesamtstrategie mit großem Budget. Schon kleine Veränderungen, zum Beispiel beim Google Business Profil oder in den sozialen Medien, können viel bewirken.

 

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