Lohnt es sich eine Webseite mit KI zu erstellen?
Webseiten mit Claude erstellen
Eine Website in fünf Minuten, generiert per Knopfdruck.
Das klingt nach dem Ende jeder Diskussion über Webdesign. Kein Angebot einholen, kein Wochen langes Warten auf den ersten Entwurf, einfach ein paar Angaben eintippen und zusehen, wie eine komplette Seite entsteht. Kein Wunder, dass gerade Selbstständige und kleine Unternehmen in der Metropolregion aufhorchen, wenn sie das zum ersten Mal sehen.
Nur: Zwischen dem ersten Wow-Moment und einer Website, die wirklich trägt, liegt oft mehr, als der schnelle Testlauf vermuten lässt. Die spannende Frage ist deshalb nicht "KI oder Agentur", sondern für wen sich welcher Weg tatsächlich rechnet - und wo die vermeintliche Abkürzung am Ende teurer wird als der klassische Weg. Genau das schauen wir uns hier ehrlich an, ohne KI-Tools schlechtzureden und ohne sie zu verklären.
Drei Dinge, die alle "Website mit KI" nennen
Bevor es um Kosten und Grenzen geht, lohnt sich eine kurze Begriffsklärung, denn hier werden ständig drei verschiedene Dinge durcheinandergeworfen.
- KI-Baukästen: Aus wenigen Angaben entsteht eine komplette, fertige Seite - Layout, Texte, Bilder, alles automatisch.
- KI als Werkzeug im normalen Prozess: Texte, Bildideen oder Code-Bausteine werden mit KI erstellt, aber in einen klassischen Gestaltungsprozess eingebettet.
- Prompt-basiertes Bauen: Komplette Anwendungen entstehen allein aus Texteingaben, ganz ohne Vorlage.
Wenn Menschen von "Website mit KI" sprechen, meinen sie fast immer den ersten Fall, den fertigen Baukasten. Die öffentliche Debatte dreht sich aber meistens um den zweiten Fall - und dort ist der Einsatz von KI längst Alltag, auch bei Agenturen. Diese Vermischung sorgt für viele Missverständnisse und unrealistische Erwartungen

Wo sollte man KI Websites nutzen?
Was in einer Stunde tatsächlich entsteht
Um es klar zu sagen: KI-Baukästen können wirklich gut sein - für bestimmte Zwecke. Eine erste sichtbare Version entsteht in Minuten statt Wochen, und das ist ein echter Vorteil.
Besonders gut eignet sich der KI-Weg für:
- Onepager und einfache Visitenkarten-Seiten
- Kampagnen-Landingpages für eine einzelne Aktion
- Event-Seiten mit begrenzter Laufzeit
- den schnellen Test einer Geschäftsidee
- Vereinsseiten mit überschaubarem Inhalt
- eine Übergangslösung, bis die richtige Website entsteht
Auch Texte und Bildideen liefert KI heute in einer Geschwindigkeit, die vor wenigen Jahren undenkbar war. Für ein Einzelunternehmen ganz ohne Budget gilt deshalb: Eine ordentliche KI-generierte Seite ist fast immer besser als gar keine Website - oder eine, die seit 2014 niemand mehr angefasst hat.
Wo die letzten 20 Prozent liegen
Damit sind wir schon beim Haken: dem klassischen 80/20-Effekt. Die ersten 80 Prozent einer Website entstehen in einer Stunde. Die letzten 20 Prozent kosten dann plötzlich Wochen.
Typische Bruchstellen sind:
- individuelle Funktionen, die über Standardbausteine hinausgehen
- Schnittstellen zur Warenwirtschaft oder zum Terminsystem
- mehrsprachige Seiten mit sauberer Struktur
- große Produktkataloge mit vielen Varianten
- individuelle Formularlogik, etwa bei komplexen Anfragen
Hinzu kommt ein optischer Effekt: Generierte Seiten ähneln sich stark, weil sie aus denselben Mustern und Vorlagen entstehen. Wer sich von der Konkurrenz abheben will, merkt das schnell. Und wer die Seite später ändern möchte, braucht wieder genau das Tool, mit dem sie gebaut wurde - inklusive der Abo-Bindung, die daran hängt.

Was sind die echten Kosten einer KI-Website?
Der Kostenvergleich, den niemand aufmacht
Der eigentliche Denkfehler bei der Kostenfrage: Viele vergleichen den Einmalpreis eines Baukastens mit "gefühlt null Euro" - und übersehen dabei die eigentliche Rechnung. Sinnvoller ist es, die Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre zu betrachten.
Dazu gehören:
- monatliche Abogebühren, die sich über Jahre summieren
- Zusatzmodule, die schnell notwendig werden
- die eigene Arbeitszeit für Pflege und Anpassung
- mögliche Migrationskosten, falls später ein Wechsel ansteht
Um es fair zu sagen: Bei einer wirklich einfachen Info-Seite kann der KI-Weg auch über Jahre günstiger bleiben als eine individuell gebaute Website. Konkrete Preise nennen wir hier bewusst nicht, da sich der Markt und die Angebote ständig verändern - das würde in wenigen Monaten schon wieder veraltet sein.
Barrierefreiheit: der blinde Fleck der Baukästen
Hier liegt aus meiner Sicht der wichtigste Punkt der ganzen Debatte, der viel zu selten angesprochen wird. Eine generierte Seite übernimmt die Barrierefreiheit ihrer Vorlage - ob gut oder schlecht, ohne dass die Nutzerin oder der Nutzer es überhaupt merkt.
Häufige Probleme, die dabei auftauchen:
| Problem | Auswirkung |
|---|---|
| Zu geringe Kontraste im Standard-Farbschema | Text schwer lesbar für sehbehinderte Menschen |
| Fehlende Alternativtexte bei generierten Bildern | Screenreader können Inhalte nicht vermitteln |
| Formularfelder ohne Beschriftung | Nutzer wissen nicht, was einzutragen ist |
| Menüs nur per Maus bedienbar | Tastatur- und Screenreader-Nutzung unmöglich |
Wichtig zu wissen: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet den Betreiber der Website, nicht das Tool, mit dem sie erstellt wurde. Wer eine KI-generierte Seite online stellt, trägt also selbst die Verantwortung dafür, dass sie barrierefrei ist - unabhängig davon, wie sie entstanden ist. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet in unserem ausführlichen BFSG-Artikel alle Details dazu, wen die Pflicht konkret betrifft und was zu tun ist.
Rechtstexte und Datenschutz
Ein weiterer Bereich, in dem KI-generierte Inhalte erfahrungsgemäß am unzuverlässigsten sind: Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Banner. Gerade hier braucht es Sorgfalt, denn Fehler fallen oft erst auf, wenn es schon zu spät ist.
Prüfen sollten Sie in jedem Fall:
- wo die Server des Anbieters stehen
- welche externen Dienste eingebunden werden
- ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag angeboten wird
Wem gehört das Ergebnis?
Eine oft unterschätzte Frage, bevor man sich für ein Tool entscheidet: Können Sie Domain, Inhalte und Design mitnehmen, wenn Sie den Anbieter wechseln wollen? Der Unterschied zwischen offenen Systemen und geschlossenen Plattformen ist hier entscheidend.
Bei offenen Systemen lässt sich vieles exportieren oder übertragen. Bei geschlossenen Plattformen bedeutet ein Wechsel dagegen praktisch einen kompletten Neubau der Website - alle Inhalte, alle Strukturen, alles beginnt wieder bei null.
Für wen sich der KI-Weg wirklich lohnt
Nach allem Abwägen lässt sich die Frage klar beantworten - abhängig vom konkreten Fall.
| KI-Weg passt gut zu | Agentur passt besser zu |
|---|---|
| Einzelunternehmern mit sehr kleinem Budget | Onlineshops |
| reinen Visitenkarten-Seiten | Buchungs- oder Terminsystemen |
| zeitlich befristeten Aktionen | Websites mit BFSG-Pflicht |
| dem schnellen Test einer Geschäftsidee | mehreren Standorten oder Sprachen |
| der Website als wichtigstem Vertriebskanal | |
| individuellen Geschäftsprozessen |
Der Mittelweg, den die meisten übersehen
Die ehrlichste Antwort auf die Ausgangsfrage lautet selten "entweder-oder". In der Praxis übernimmt KI heute Rohtexte, Bildideen, Strukturvorschläge und viel Routinearbeit - während Strategie, technische Umsetzung, Struktur und fachliche Prüfung beim Menschen bleiben. Genau so arbeiten übrigens auch die meisten Agenturen längst, auch wenn das selten offen kommuniziert wird. Das offen zu sagen wirkt am Ende glaubwürdiger, als es zu verschweigen.
In der eigenen Praxis zeigt sich das immer wieder deutlich: Ein Kunde kam vor einiger Zeit mit einer selbst generierten Seite und wollte sie weiterentwickelt haben. Die Grundstruktur und die Texte waren eine brauchbare Basis - doch spätestens bei der gewünschten Terminbuchung und der mehrsprachigen Darstellung stieß das ursprüngliche System an seine Grenzen. Am Ende war es günstiger, die guten Teile zu übernehmen und den Rest professionell nachzubauen, als am Baukasten festzuhalten.

Viele Selbstständige investieren viel Zeit, Ihre Webseite selbst zu erstellen, kommen aber an einem bestimmten Punkt nicht weiter.
Fazit: Die richtige Frage ist nicht Ja oder Nein
KI-Baukästen sind kein Ersatz für professionelles Webdesign - aber auch kein fauler Kompromiss, den man grundsätzlich meiden sollte. Sie sind ein gutes Werkzeug für klar abgegrenzte, einfache Anwendungsfälle mit kleinem Budget. Sobald Barrierefreiheit, individuelle Funktionen, mehrere Sprachen oder die Website als zentraler Vertriebskanal ins Spiel kommen, wird der scheinbar günstige Weg schnell zur teuersten Option.
Prüfen Sie deshalb ehrlich, in welche Kategorie Ihr Projekt fällt, bevor Sie sich entscheiden. Und falls Sie unsicher sind: Ein kurzes Gespräch klärt oft schneller, welcher Weg sich wirklich lohnt, als jeder Vergleichstest im Alleingang.
Kann ich eine KI-generierte Website später auf eine professionelle Lösung umstellen?
Das hängt vom System ab - bei offenen Plattformen ist ein Wechsel meist möglich, bei geschlossenen Baukästen bedeutet es in der Regel einen kompletten Neubau.
Ist eine KI-Website automatisch barrierefrei?
Nein, die Barrierefreiheit hängt allein von der verwendeten Vorlage ab, und die Verantwortung dafür liegt gesetzlich beim Betreiber, nicht beim Tool.
Für welche Art von Website reicht ein KI-Baukasten aus?
Für einfache Visitenkarten-Seiten, Event-Seiten oder befristete Aktionen ist ein KI-Baukasten in der Regel völlig ausreichend.
Muss ich die Rechtstexte aus dem Baukasten trotzdem prüfen lassen?
Ja, gerade Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Banner sollten fachlich geprüft werden, da hier automatisch generierte Inhalte am unzuverlässigsten sind.
Arbeiten Agenturen überhaupt noch ohne KI?
Kaum eine Agentur verzichtet heute komplett auf KI-Unterstützung bei Texten, Bildideen oder Routineaufgaben - der Unterschied liegt in der fachlichen Einordnung und Prüfung der Ergebnisse.
Transparenzhinweis: Als Autor dieses Beitrags erstelle ich selbst Websites meine Kunden und ordne die hier beschriebenen Erfahrungen aus meiner täglichen Praxis ein.