Rentenlücke berechnen: Darauf kommt es wirklich an.

Ein Berater erläutert die Rentenlücke anhand eines Diagramms in einer Präsentation.

Wie hoch ist deine Rentenlücke wirklich?

Stell dir vor, du bekommst jeden Monat 2.720 Euro Rente ausgezahlt. Klingt erstmal beruhigend, oder?

Das Problem: Wenn du diese Zahl heute siehst, aber erst in 35 Jahren in Rente gehst, ist sie durch die Inflation nur noch die Hälfte wert. Genau das ist der Denkfehler, dem die meisten Menschen bei ihrer Altersvorsorge unterliegen und genau deshalb lohnt es sich, einmal ganz genau nachzurechnen, wie groß deine persönliche Rentenlücke wirklich ist.

Die gesetzliche Rente wird für die meisten von uns nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Das ist längst kein Geheimnis mehr.

Aber wie groß ist die Lücke zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was du tatsächlich bekommst, wirklich? Mit 3 einfachen Rechenschritten findest du es heraus und weißt danach genau, wie viel Geld du monatlich beiseitelegen musst, damit dir im Ruhestand nicht das Geld ausgeht.

Schritt 1: Wie viel gesetzliche Rente bekommst du wirklich?

Als Beispiel dient uns Lars, 32 Jahre alt. Wie jeder, der über 27 ist, bekommt er jährlich Post von der Deutschen Rentenversicherung, die sogenannte Renteninformation. Darin steckt eine Hochrechnung: Bei einer durchschnittlichen Rentensteigerung von 1 Prozent pro Jahr kämen für Lars später rund 2.800 Euro Rente heraus, bei 2 Prozent Steigerung wären es schon 4.000 Euro.

Am realistischsten fährst du, wenn du den Mittelwert aus beiden Zahlen nimmst. Bei Lars wären das 3.400 Euro das entspricht etwa 1,5 Prozent Steigerung pro Jahr und berücksichtigt, dass es künftig immer weniger Beitragszahler und immer mehr Rentner geben wird.

Jetzt kommt der Haken: Diese 3.400 Euro sind brutto. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleiben pauschal etwa 20 Prozent weniger übrig, macht netto rund 2.720 Euro. Das klingt erstmal nach ordentlichem Geld bis die Inflation ins Spiel kommt.

Bei durchschnittlich 2 Prozent Preissteigerung pro Jahr verdoppeln sich die Preise über 35 Jahre etwa. Das bedeutet: Die 2.720 Euro sind in heutiger Kaufkraft nur noch 1.360 Euro wert.

Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung zur Berechnung der Rentenlücke.

Rentenlücke berechnen | Oskar Rudolph | Rudolph Finanzkonzepte GmbH

Schritt 2: Deine Wunschrente ermitteln

Jetzt geht es darum herauszufinden, wie viel Geld du im Alter tatsächlich brauchst. Eine grobe Faustregel besagt: 80 Prozent deines aktuellen Nettoeinkommens sollten reichen. Diese Regel hat allerdings zwei blinde Flecken sie geht weder darauf ein, dass du im Alter vielleicht weniger ausgibst, weil du nicht mehr so mobil bist, noch darauf, dass Krankheitskosten und Medikamente zusätzlich ins Gewicht fallen können.

Genauer wird es, wenn du wie Lars ein Haushaltsbuch führst. Er verdient als Single 4.000 Euro brutto ziemlich genau das deutsche Vollzeit-Durchschnittsgehalt und damit 2.600 Euro netto.

Seine Rechnung sieht so aus:

KostenpunktBetrag im Monat
Fixkosten inkl. Miete und Lebensmittel1.400 Euro
+ Auto1.600 Euro
+ Freizeit und Jahresurlaub2.000 Euro
+ Gesundheitspuffer2.200 Euro

Damit landet Lars bei etwa 85 Prozent ihres derzeitigen Nettogehalts als Wunschrente inklusive eines Sicherheitspuffers für Gesundheitskosten. Auch hier gilt wieder: Die 2.200 Euro sind ein heutiger Wert. Über 35 Jahre gerechnet, bei 2 Prozent Inflation, verdoppelt sich auch dieser Betrag auf 4.400 Euro, den Lars dann tatsächlich monatlich brauchen wird.

Rechner neben Geldscheinen zur Berechnung der Rentenlücke.

Rentenlücke berechnen | Oskar Rudolph | Rudolph Finanzkonzepte GmbH

Die eigentliche Rentenlücke berechnen

Jetzt kommt die entscheidende Rechnung:

Lars braucht künftig 4.400 Euro netto im Monat, bekommt aber nur 2.720 Euro gesetzliche Rente. Die Differenz: 1.680 Euro Rentenlücke und zwar zum Zeitpunkt seines Renteneintritts. Zurückgerechnet auf heutige Kaufkraft sind das 840 Euro, die ihm jeden Monat fehlen. Das ist die Summe, um die es beim Sparen wirklich geht.

Schritt 3: So viel musst du wirklich sparen

Um herauszufinden, wie viel du monatlich zurücklegen musst, spielt vor allem eine Frage eine Rolle: Wie alt wirst du? Hier gilt: Lieber zu vorsichtig als zu knapp rechnen. Niemand möchte mit 85 feststellen, dass das Ersparte aufgebraucht ist. Rechne deshalb ruhig mit rund 30 Jahren Rentenbezug, also einem Lebensalter von etwa 95 Jahren als Sicherheitsmarge.

Für die Sparphase kannst du realistischerweise mit einer Rendite von rund 5 Prozent pro Jahr rechnen, wenn dein Geld in einem Mix aus ETFs und Tagesgeld liegt. Während der Rentenzeit, wenn der Aktienanteil im Depot nach und nach reduziert wird, sind eher 3 Prozent realistisch. Auf dieser Basis muss Lars monatlich 360 Euro in einen ETF-Sparplan investieren, um seine Lücke von 1.680 Euro zu schließen das entspricht etwa 14 Prozent Seines Nettoeinkommens.

Zwei Faktoren, die die Rechnung verändern

Zwei wichtige Stellschrauben solltest du zusätzlich einplanen:

  • Inflation im Alter: Die 1.680 Euro Rentenlücke bleiben nicht konstant, sondern steigen mit der Zeit ebenfalls. Rechnest du mit einer jährlichen Entnahme-Dynamik von 2 Prozent, um die Kaufkraft zu erhalten, steigt die nötige Sparrate von 360 auf 467 Euro monatlich immerhin 18 Prozent des Nettoeinkommens.
  • Gehaltssteigerung: Der Ausgleich dafür ist eine realistische Erwartung, dass auch dein Gehalt im Lauf der Jahre steigt im Durchschnitt ebenfalls um etwa 2 Prozent pro Jahr. Gleicht sich das mit der steigenden Sparrate aus, startest du wieder bei 360 Euro monatlich, die dann Jahr für Jahr leicht ansteigen, parallel zu deinem wachsenden Gehalt.

So bleibt die Belastung relativ zu deinem Einkommen konstant, auch wenn die absolute Sparsumme mit der Zeit wächst.

Eine Person berechnet ihre Rentenlücke mit Smartphone und Rechner.

Rentenlücke berechnen | Oskar Rudolph | Rudolph Finanzkonzepte GmbH

Fazit: Rechne nach, bevor es zu spät ist

Die Rentenlücke ist kein abstraktes Konzept, sondern eine ganz konkrete Zahl, die du mit ein paar Schritten selbst ermitteln kannst. Wichtig ist, dass du dabei die Inflation nicht vergisst - sowohl bei deiner künftigen Rente als auch bei deinen künftigen Ausgaben. Wer diese Rechnung einmal im Detail durchgeht, erkennt oft überrascht, wie viel tatsächlich monatlich nötig ist, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Hast du deine Rentenlücke schon einmal berechnet und wann zuletzt? Wenn dein Gehalt sich seitdem verändert hat, lohnt es sich, die Rechnung zu wiederholen. Nimm dir heute zehn Minuten Zeit, geh die drei Schritte durch und schau, wo du wirklich stehst.

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Die wichtigste Erkenntnis bleibt trotzdem simpel: Du musst dich nicht bis ins letzte Detail einlesen, aber du musst sie einmal selbst verstanden haben. Nimm dir noch heute zwanzig Minuten Zeit, und meld dich für ein Erstgespräch bei uns. Dieser Moment könnte dafür sorgen, dass du alle deine Finanzielle Fachfragen in Sekunden bewältigen kannst.

Wie oft sollte ich meine Rentenlücke neu berechnen?

Am besten alle paar Jahre oder immer dann, wenn sich dein Gehalt oder dein Lebensstandard spürbar verändert hat, damit deine Altersvorsorge realistisch bleibt.

Warum sollte ich mit 5 Prozent statt 7 oder 8 Prozent Rendite rechnen?

Weil eine realistische Sparstrategie nicht zu 100 Prozent aus Aktien besteht, sondern auch sicherere Bausteine wie Tagesgeld enthält - eine vorsichtige Schätzung schützt dich vor bösen Überraschungen.

Muss ich die Inflation wirklich doppelt einrechnen?

Ja, sowohl bei der Hochrechnung deiner künftigen Rente als auch bei deinen künftigen Ausgaben, da beide Beträge über Jahrzehnte hinweg durch steigende Preise beeinflusst werden.

Was, wenn ich mir die berechnete Sparrate nicht leisten kann?

Starte mit dem Betrag, der aktuell möglich ist, und erhöhe die Sparrate schrittweise mit jeder Gehaltssteigerung, damit du langfristig an die nötige Summe herankommst.

Reicht die 80-Prozent-Faustregel nicht auch ohne Haushaltsbuch?

Sie ist ein guter erster Anhaltspunkt, aber eine echte Aufstellung deiner Fixkosten und Wünsche liefert ein deutlich genaueres Bild deines tatsächlichen Bedarfs im Alter.

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