So schützt du dich vor medialen Fallen: Was du vom ARD-Fall mit Mr. Steuer lernen kannst

Mr. Steuer wusste von nichts

Mr. Steuer wusste von nichts

Du wurdest von einem großen Sender oder Medium angefragt und überlegst, ob du zusagen sollst? Vorsicht! Ein aktueller Fall mit dem bekannten Steuerberater "Mr. Steuer" Martin Richter zeigt eindrucksvoll, wie schnell aus einer vermeintlich seriösen Dokumentation eine rufschädigende Inszenierung werden kann – und wie du dich davor schützen kannst.

Mr. Steuer hat kürzlich am eigenen Leib erfahren, was passiert, wenn man Medienanfragen zu blauäugig annimmt. Die ARD-Dokumentation „Crash Kurs für Immobilienhaie" sollte ursprünglich eine sachliche Darstellung von Investitionsprozessen werden – wurde aber zur satirischen Farce, die ihn und seinen Berufsstand in einem stark verzerrten Licht zeigt. Was genau schiefgelaufen ist und welche Lehren du daraus ziehen kannst, erfährst du hier.

Wenn aus seriös plötzlich satirisch wird – der Fall Mr. Steuer

Die Geschichte beginnt harmlos: In einer langen Mail mit Mr. Steuer sicherten ARD-Redakteure zu, eine 45-minütige Dokumentation aus Sicht von Investoren zu produzieren. Thema sollten steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und realistische Investmentprozesse sein. Mr. Steuer sagte zu – in dem Glauben, sein Fachwissen in einem professionellen Rahmen präsentieren zu können.

Doch dann kam alles anders. Der ursprünglich geplante, echte Immobilieninvestor erwies sich als nicht kameratauglich. Statt das Projekt anzupassen oder transparent neu zu besprechen, setzte die Redaktion kurzerhand einen Schauspieler ein – einen „Fake-Immobilienhai", der klischeehaft aggressiv, geldgetrieben und skrupellos inszeniert wurde. Teure Autos, Villen, überzogene Gesten – alles da. Mr. Steuer erfuhr davon erst sehr spät und wurde so unwissentlich Teil einer fast schon Comedy-artigen Darstellung, die sein tatsächliches Berufsbild völlig verzerrte.

Besonders perfide: Während des Interviews wurden suggestive Fragen gestellt, die Mr. Steuer in eine skrupellose Ecke drängten. Die Doku fokussierte sich ausschließlich auf gierige, rücksichtslose Vermieter und ignorierte die vielen seriösen Eigentümer, die verantwortungsvoll agieren.

Die vermeintlich freundliche Doku entpuppte sich als knallharte Satire

Die vermeintlich freundliche Doku entpuppte sich als knallharte Satire

Das Problem mit dem Framing

Was hier besonders ins Auge sticht: Die redaktionelle Ausrichtung war von Anfang an subjektiv geprägt. Die politischen Überzeugungen der Redakteure – vor allem jüngere Volontäre – tendierten stark in Richtung grün-alternativer Mieterschutzperspektiven. Das Drehbuch war offenbar von vornherein auf ein bestimmtes Framing ausgerichtet: Vermieter als Hauptproblem.

Solche Produktionen arbeiten bewusst mit halbfiktionalen, suggestiven Formaten. Sogar Aussagen zu kreativen Einnahmensteigerungen in Milieuschutzgebieten wurden so dargestellt, dass illegale Praktiken im Raum stehen könnten – unabhängig davon, ob das der Realität entspricht.

So erkennst du problematische Medienanfragen

Der Fall zeigt: Medienanfragen solltest du nie unvorbereitet annehmen. Ein PR-Experte, der den Fall analysiert hat, gibt klare Handlungsempfehlungen, die dir helfen, dich vor solchen Fallen zu schützen:

Vor der Zusage: Gründlich recherchieren

Bevor du überhaupt zusagst, solltest du Hausaufgaben machen:

  • Recherchiere den Produzenten und Redakteur gründlich
  • Schau dir frühere Produktionen an – welchen Stil verfolgen sie?
  • Prüfe öffentliche Profile und Social-Media-Auftritte
  • Achte auf politische oder ideologische Tendenzen in bisherigen Arbeiten

Wenn du bereits bei der Recherche merkst, dass die redaktionelle Linie nicht zu deiner Position passt, ist ein höfliches Nein oft die klügere Wahl.

PR-Berater Ruben Schäfer

PR-Berater Ruben Schäfer

Das erste Gespräch: Vertraulich und unverbindlich

Führe initial ein unverbindliches Kennenlern- oder Zoom-Gespräch, das explizit als vertraulich gekennzeichnet wird. Wichtig:

  • Keine Aufnahmen während dieses Gesprächs
  • Keine Aussagen dürfen daraus verwendet werden
  • Frage aktiv nach Zielen, Intentionen und Zielgruppen der Produktion
  • Kläre das genaue Format: Dokumentation, Reportage, satirisch?
  • Wer sind die anderen Protagonisten?

Während der Produktion: Wachsam bleiben

Falls sich das Projekt während der Produktion signifikant ändert – wie im Fall von Mr. Steuer –, solltest du:

  1. Ein erneutes Gespräch über die neue Ausrichtung einfordern
  2. Klären, inwiefern sich das Format geändert hat
  3. Gegebenenfalls die Teilnahme ablehnen, wenn es nicht mehr passt
  4. Nicht aus falscher Höflichkeit „bis zum Ende mitmachen"

Es ist durchaus legitim, wenn Produktionen Schauspieler einsetzen – etwa weil echte Protagonisten kamerascheu sind. Aber: Das muss transparent kommuniziert werden und darf nicht deine legitimen Erwartungen an das Format verändern.

Klare Grenzen setzen

Wer professionell mit Medien umgehen möchte, muss aktiv kommunizieren:

  • Welche Bereiche sind tabu?
  • Welche Aussagen dürfen verwendet werden?
  • Wie soll der Ablauf der Dreharbeiten aussehen?
  • Welche vertraulichen Inhalte dürfen nicht gefilmt werden?

Du darfst und sollst den Dreh aktiv mitgestalten. Wenn du merkst, dass versteckte Kameras im Spiel sind oder suggestive Fragen gestellt werden, die dich in eine bestimmte Rolle drängen, ist es Zeit für ein klärendes Gespräch – oder einen Abbruch.

Fazit: Mutig sein heißt auch Nein sagen

Mr. Steuer war mutig, die Dreharbeiten trotz deutlicher Abweichungen durchzuziehen. Doch die Gefahr, in einem nicht repräsentativen, sogar negativ verzerrenden Licht dargestellt zu werden, war einfach zu hoch. Die Folge: Eine öffentliche Darstellung, die seinem tatsächlichen Berufsbild nicht gerecht wird und möglicherweise seiner Reputation schadet.

Die wichtigste Erkenntnis: Es ist vollkommen legitim, eine Zusammenarbeit abzulehnen, wenn eine Anfrage nicht zu deinem Geschäftsmodell, deiner Position oder deinem öffentlichen Image passt. Offener und ehrlicher Umgang zwischen Medienmachern und Experten ist essentiell – fehlt dieser, sollten bei dir alle Alarmglocken läuten.

Öffentliche Berichterstattung, besonders von öffentlich-rechtlichen Sendern, arbeitet oft mit tendenziösen Formaten. Die Praxis, erst während oder nach dem Dreh die eigentliche Ausrichtung zu verändern, birgt ein hohes Risiko für eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung.

Dein Takeaway: Bereite dich gewissenhaft vor, stelle unbequeme Fragen, fordere Transparenz ein und scheue dich nicht, Nein zu sagen. Deine Reputation ist mehr wert als ein TV-Auftritt, der dich in ein falsches Licht rückt. Und wenn du unsicher bist? Ziehe einen PR-Experten hinzu, der dich medienstrategisch begleitet und vor solchen Fallen schützt.

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