Presseanfrage bekommen? Wie du jetzt richtig reagierst
Bei Presseanfragen lohnt sich ein Anruf bei einem PR-Berater
Es klingelt an deiner Tür, dein Handy vibriert, eine E-Mail erscheint im Postfach mit dem Betreff "Presseanfrage" – und plötzlich stehst du vor einem Vorwurf, mit dem du nie gerechnet hättest: Die Presse konfrontiert dich mit dem Verdacht, eine Straftat begangen zu haben – oder eine moralische Verfehlung. Der erste Impuls? Tür zu, Telefon weg, keine Stellungnahme. Doch genau diese Reaktion kann dir mehr schaden als nutzen. Warum das so ist und wie du in dieser heiklen Situation professionell und überlegt handelst, erfährst du in diesem Ratgeber.
Warum „Kein Kommentar" bei Presseanfragen die schlechteste Antwort ist
Die Situation ist überraschend, vielleicht sogar schockierend. Dein erster Gedanke: „Ich sage nichts, ich spreche nicht mit der Presse." Verständlich – aber gefährlich. Denn die Presse hat ein Interesse daran, eine möglichst skandalisierende Geschichte zu veröffentlichen. Um das rechtlich abzusichern, muss sie jedoch bestimmte Voraussetzungen einer zulässigen Verdachtsberichterstattung einhalten.
Eine dieser Voraussetzungen ist, dass dir die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben werden muss. Wenn du von vornherein ablehnst oder schweigst, hakt die Presse diesen Punkt einfach ab – und kann später behaupten, sie habe dich ordnungsgemäß angehört. Damit verlierst du eine wichtige Möglichkeit, die Berichterstattung zu beeinflussen oder sogar zu verhindern.
Die drei Kriterien einer zulässigen Verdachtsberichterstattung
Um eine Verdachtsberichterstattung zulässig zu machen, müssen Journalisten drei Punkte erfüllen:
- Mindestbestand an Belegen: Es muss ein gewisser Tatsachenkern vorliegen – das kannst du im Moment nicht beeinflussen.
- Keine Vorverurteilung: Die Berichterstattung darf nicht vorverurteilend sein – auch das entzieht sich zunächst deiner Kontrolle.
- Anhörung des Betroffenen: Dir muss die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben werden – und genau hier kannst du ansetzen.
Wenn du die Stellungnahme verweigerst, machst du es der Presse leicht. Wenn du jedoch clever reagierst, kannst du den Verlauf der Berichterstattung aktiv mitgestalten.

Aktive Gestaltung der Berichterstattung ist in der Regel möglich.
Die goldene Regel: Freundlich bleiben, Zeit gewinnen, professionell antworten
Die beste Strategie in dieser Situation ist weder totales Schweigen noch eine spontane, emotionale Antwort. Stattdessen solltest du Zeit gewinnen und dir Unterstützung holen.
So gehst du konkret vor:
- Bleib freundlich und professionell: Auch wenn die Situation belastend ist – zeige dich kooperativ.
- Bitte um schriftliche Darstellung der Vorwürfe: Fordere die Presse höflich auf, dir die konkreten Vorwürfe per E-Mail zuzusenden.
- Setze eine angemessene Frist: Erkläre, dass du gerne Stellung nehmen möchtest, aber dafür eine angemessene Frist benötigst, um die Vorwürfe zu prüfen.
Beispielformulierung: „Ich nehme Ihre Anfrage ernst und bin grundsätzlich bereit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bitte senden Sie mir die konkreten Fragen schriftlich per E-Mail zu, damit ich diese sorgfältig prüfen und Ihnen eine fundierte Antwort geben kann."
Warum ist das so wichtig?
Diese Vorgehensweise hat gleich mehrere entscheidende Vorteile:
1. Du gewinnst Zeit zum Nachdenken
Spontane Reaktionen sind selten gut durchdacht. Vor der Kamera oder am Telefon überrascht, sagst du vielleicht etwas Falsches, ziehst Grimassen oder wirkst schuldig, obwohl du es nicht bist.
2. Du hast Beweise in der Hand
Wenn alles schriftlich abläuft, kannst du später genau nachweisen, welche Fragen gestellt wurden und wie du geantwortet hast. Das schützt dich vor Verdrehungen oder Auslassungen durch die Presse.
3. Du kannst dir Rechtsrat einholen
Mit den schriftlichen Vorwürfen in der Hand kannst du spezialisierte Anwälte konsultieren, die mit dir eine abgestimmte, durchdachte Antwort erarbeiten. Das kann im besten Fall die gesamte Berichterstattung verhindern – oder zumindest dafür sorgen, dass sie abgeschwächt wird oder deine Identität geschützt bleibt.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Nicht spontan antworten: Lass dich nicht zu einer unüberlegten Aussage drängen, vor allem nicht vor laufender Kamera.
- Nicht kategorisch ablehnen: Sage niemals pauschal „Kein Kommentar" oder „Ich spreche nicht mit der Presse" – damit gibst du wichtige Hebel aus der Hand.
- Nicht emotional reagieren: Auch wenn die Vorwürfe empörend oder falsch sind – bleib sachlich und höflich.
Do's & Don'ts im Überblick
Do's:
- Freundlich und kooperativ bleiben
- Schriftliche Darstellung der Vorwürfe anfordern
- Angemessene Frist zur Stellungnahme einfordern
- Rechtsrat einholen, bevor du antwortest
- Abgestimmte, präzise Antwort verfassen
Don'ts:
- Spontan vor der Kamera oder am Telefon antworten
- Pauschal jede Stellungnahme ablehnen
- Emotional oder aggressiv reagieren
- Ohne rechtliche Beratung antworten
- Die Anfrage ignorieren
Fazit: Kluges Handeln schützt deine Reputation
Wenn die Presse mit schweren Vorwürfen an deine Tür klopft, entscheidet deine Reaktion in den ersten Minuten oft über den weiteren Verlauf. Wer vorschnell schweigt, verliert Einfluss. Wer vorschnell redet, riskiert Fehler. Wer aber besonnen handelt, sich Zeit verschafft und professionelle Unterstützung holt, kann Reputationsschäden minimieren oder sogar ganz verhindern.
Dein Takeaway: Lehne eine Stellungnahme niemals kategorisch ab – aber gib sie auch nicht spontan. Fordere die Vorwürfe schriftlich an, nimm dir Zeit und hole dir spezialisierte Rechtsberatung. So behältst du die Kontrolle über die Situation und schützt deine Reputation bestmöglich. Im Ernstfall kann dieser strategische Umgang den Unterschied machen zwischen einem medialen Skandal und einer sachlichen Richtigstellung.