Vorhaltepauschale: Warum 90 % der Hausarztpraxen leer ausgehen
Mehr Sprechstunden, gleiche Teamgröße – der Alltag hinter der Vorhaltepauschale.
Seit Januar 2026 ist sie da – die neue Vorhaltepauschale für Hausarztpraxen. Eine Reform, die mehr Leistung honorieren und die Versorgung stärken sollte. Doch die Realität sieht anders aus: Rund 90 % der Praxen erhalten am Ende nicht mehr Geld als vorher. Was bleibt, sind erweiterte Pflichtsprechstunden, mehr Nachweispflichten und ein höheres Anrufvolumen – bei unveränderter Teamgröße. Der Hausärzteverband nennt das Ergebnis offen „ernüchternd" und eine „vertane Chance". Höchste Zeit, die Reform einmal nüchtern zu durchleuchten und zu fragen: Was ändert sich wirklich? Und wie kannst du als Praxisinhaber damit umgehen?
Was sich seit Januar 2026 konkret geändert hat
Die neue Vorhaltepauschale basiert auf dem Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG), das im März 2025 in Kraft trat. Die konkreten Abrechnungsdetails wurden im August 2025 zwischen KBV und GKV-Spitzenverband vereinbart – und gelten seit Jahresbeginn 2026.
Das Kernproblem: Die bisherige GOP 03040 wurde von 138 auf 128 Punkte abgesenkt. Dazu kommt ein gestaffeltes Zuschlagssystem, das auf zehn Kriterien basiert:
- GOP 03041: +10 Punkte, wenn du 2 bis 7 Kriterien erfüllst → insgesamt 138 Punkte (= gleiches Niveau wie vorher)
- GOP 03042: +30 Punkte, wenn du mindestens 8 Kriterien erfüllst → insgesamt 158 Punkte
- Weniger als 2 Kriterien? Dann bleiben dir nur die abgesenkten 128 Punkte – also weniger als vor der Reform.
Das heißt im Klartext: Wer sich anstrengt und viele Kriterien erfüllt, kommt auf das alte Niveau oder minimal darüber. Wer weniger leistet, wird bestraft. Neues Geld? Fehlanzeige. Die Reform ist budgetneutral – das Geld wird nur anders verteilt.
Die zehn Kriterien – und was sie von dir verlangen
Um überhaupt in den Genuss der Zuschläge zu kommen, musst du nachweisen, dass deine Praxis bestimmte Leistungsquoten erfüllt. Hier eine Auswahl der wichtigsten Kriterien:
- Haus- und Pflegeheimbesuche: mindestens 5 % deiner Behandlungsfälle
- Schutzimpfungen: mindestens 7 % in den Quartalen 1–3, mindestens 25 % im vierten Quartal
- Kleine Chirurgie, Wundversorgung, Nachbehandlung: mindestens 3 %
- Ultraschall (Abdomen/Schilddrüse): mindestens 2 %
- Hausärztliche Basisdiagnostik (RR, EKG, Spirometrie): mindestens 3 %
- Videosprechstunde: mindestens 1 %
- Erweiterte Sprechstundenzeiten: alle 14 Tage mindestens 60 zusammenhängende Minuten – mittwochs oder freitags nach 15:00 Uhr, oder werktags vor 8:00 Uhr oder nach 19:00 Uhr
- Qualitätszirkel-Teilnahme
- Kooperation (z. B. Berufsausübungsgemeinschaft)
- Zusatzqualifikationen wie Diabetologie oder Palliativmedizin
Dazu kommen Sonderregeln: Weniger als 10 Schutzimpfungen pro Quartal? Das kostet dich 40 % Abzug auf die GOP 03040. Weniger als 400 Behandlungsfälle pro Quartal je Vollzeit-Arzt? 13 Punkte Abzug. Mehr als 1.200? Dann gibt's 9 Punkte Zuschlag.

Freitag, 15:30 Uhr – erweiterte Sprechstunde mit halber Besetzung.
Warum die Reform für die meisten Praxen ein Nullsummenspiel ist
Die Mathematik ist ernüchternd: Wer wie bisher arbeitet und 2 bis 7 Kriterien erfüllt, landet bei exakt 138 Punkten – genau dort, wo die alte GOP 03040 auch schon war. Der Hausärzteverband bringt es auf den Punkt: „Über 90 % der Zahlungen werden genau wie bisher verteilt. Von einer Reform kann keine Rede sein."
Das eigentliche Problem liegt woanders: Die Reform schafft keine neuen Ressourcen, sondern fordert mehr Nachweis, mehr Dokumentation und mehr Erreichbarkeit – bei gleichem oder sogar sinkendem Honorar. Gerade kleinere Einzelpraxen sind strukturell benachteiligt, weil sie viele Kriterien schwerer erfüllen können als große MVZ oder Gemeinschaftspraxen mit breiterem Leistungsspektrum.
Mehr Sprechstunden, mehr Anrufe – aber kein zusätzliches Team
Besonders brisant ist das Kriterium der erweiterten Sprechstundenzeiten. Alle 14 Tage eine Stunde zusätzlich – das klingt nach wenig, bedeutet aber in der Praxis: Du musst freitags ab 15:00 Uhr oder vor 8:00 Uhr erreichbar sein. Genau in den Zeiten, in denen dein Team dünn besetzt ist oder noch gar nicht da.
Und mit jeder zusätzlichen Sprechstunde steigt das Anrufvolumen: Patienten buchen Termine, fragen Rezepte an, haben Rückfragen. Deine MFAs sitzen am Telefon, während gleichzeitig Patienten in der Praxis sind. Die Gleichung lautet:
Mehr Bonus-Sprechstunden in Randzeiten + gleiche Teamgröße + steigende Anrufzahlen = wachsender Druck auf dein Team.
Das ist kein theoretisches Problem. Das ist der Alltag in vielen Hausarztpraxen seit Januar 2026.
Die eigentliche Frage: Wie setzt du erweiterte Erreichbarkeit um – ohne dein Team zu überlasten?
Die Vorhaltepauschale belohnt mehr Erreichbarkeit. Aber sie liefert keine Lösung, wie du das operativ stemmen sollst. Genau hier liegt die Chance – und die eigentliche Herausforderung.
Stell dir vor: Eine Hausarztpraxis mit 1.000 Behandlungsfällen pro Quartal, zwei MFAs und einem Arzt in Vollzeit. Um das Kriterium „Hausbesuche" zu erfüllen, braucht sie 50 Besuchsleistungen pro Quartal. Um die erweiterten Sprechstundenzeiten zu erfüllen, bietet sie alle 14 Tage freitags ab 15:00 Uhr eine Stunde zusätzlich an. In dieser Stunde ist eine MFA allein in der Praxis und muss parallel Patienten empfangen und Telefonate annehmen. Genau hier entsteht der operative Engpass.

Anrufe aufgefangen, Team entlastet – bessere Erreichbarkeit ohne Telefonstress.
Wie die KI-Rezeption von KINAQ das Problem löst
Die KI-Rezeption von KINAQ fängt eingehende Anrufe auf – qualifiziert Anliegen, bucht Termine, beantwortet Standardfragen und gibt deinem Team eine strukturierte Aufgabenliste. Unabhängig von Uhrzeit und Personaldecke. So wird erweiterte Erreichbarkeit möglich, ohne dass dein Team dafür zusätzlich am Telefon gebunden ist.
Das bedeutet konkret:
- Deine MFAs können sich auf die Patienten vor Ort konzentrieren – auch in den Randzeiten.
- Anrufe gehen nicht verloren, auch wenn gerade niemand ans Telefon gehen kann.
- Die Dokumentation läuft automatisch mit – du behältst den Überblick, welche Anliegen reinkommen und was erledigt werden muss.
Die echte Entlastung liegt nicht in der Reform selbst, sondern in der Frage, wie du die zusätzlich angebotene Erreichbarkeit operativ umsetzt.
Fazit: Reform ja – aber Entlastung bringst du dir selbst
Die Vorhaltepauschale 2026 ist keine Reform, die Hausarztpraxen finanziell besser stellt. Sie ist ein Umverteilungsinstrument, das mehr Leistung fordert, aber kein neues Geld schafft. Für rund 90 % der Praxen bleibt das Honorar gleich – der Aufwand steigt. Wer weniger als zwei Kriterien erfüllt, wird sogar finanziell schlechter gestellt.
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Abhaken von Kriterien, sondern in der operativen Umsetzung: Wie schaffst du erweiterte Erreichbarkeit, ohne dein Team zu überlasten? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und hier liegt die Chance, aus einer frustrierenden Reform eine sinnvolle Weiterentwicklung deiner Praxis zu machen.
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