Cashflow-Conference: Warum Schweigen in der Krise dein schlimmster Feind ist

Crashflow-Conference

Crashflow-Conference

Ein Event mit 8.000 erwarteten Teilnehmern, dutzende Speaker, millionenschwere Investoren als Aussteller – und plötzlich ist alles vorbei. Die Cashflow-Conference, eines der größten angekündigten Finanz- und Weiterbildungsevents in Deutschland, wurde abgesagt. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Strafanzeigen sind gestellt, Betrugsvorwürfe stehen im Raum, Handwerkerrechnungen blieben unbezahlt. Und während die Betroffenen toben, herrscht bei den Veranstaltern: Funkstille.

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie fatale Kommunikationsfehler einen PR-Skandal erst richtig anfeuern – und warum professionelle Krisenkommunikation in solchen Situationen überlebenswichtig ist.

Der Skandal: Vom Mega-Event Cashflow Conference zur Insolvenz

Die Cashflow-Conference sollte Anfang Juli stattfinden – mit großem Tamtam, prominenten Speakern aus der Immobilien- und Investorenszene und einer beeindruckenden Kulisse. Doch schon Wochen vorher kursierten Gerüchte: Die Ticketverkäufe liefen katastrophal. Insider berichten von gerade mal 20 bis 25 Prozent verkauften Tickets, vier Wochen vor dem Event. Bei einer geplanten Teilnehmerzahl von 8.000 Menschen eine Katastrophe.

Starke Ändeurngen im Handelsregister

Starke Ändeurngen im Handelsregister

Trotzdem machten die Veranstalter weiter Druck, versuchten verzweifelt, Geld in die Gesellschaft zu spülen. Bis zum bitteren Ende. Am Montag, dem 8. Juni, wurden Speaker und Aussteller informiert: Das Event findet nicht statt. Wenig später folgte die Insolvenzanmeldung der veranstaltenden GmbH. Erst Tage danach – und nach massivem öffentlichem Druck – erschien ein dünnes Statement auf der Website. Zu spät, zu wenig, zu schwach.

Was die Veranstalter verschwiegen haben

Besonders brisant: Einer der prominenten Gründer, Tobias Claessens, ein bekannter Investor mit über 66.000 Instagram-Followern, hatte sich bereits im November 2023 aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Auch aus der Gesellschafterliste wurde er gestrichen – doch kommuniziert wurde das nie. Auf der Website, in Social Media, überall war er weiterhin präsent, machte Werbung für das Event.

Für Aussteller und Sponsoren, die fünfstellige Summen investiert hatten, war das ein entscheidender Faktor: Claessens genoss Vertrauen, hatte Reputation und Kapital. Sein Nachfolger Fabian Rika? In der Branche weitgehend unbekannt. Hätte man gewusst, dass Claessens längst raus ist, hätten viele wohl anders entschieden.

Und dann, eine Woche vor der Insolvenzanmeldung, passierte etwas richtig Merkwürdiges: Die Gesellschaftsanteile wurden massiv verschoben – unter anderem in eine GmbH, die Rika komplett gehört. Das riecht nicht nur komisch, das sieht auch so aus. Kein Wunder, dass prominente Betroffene wie Matthias Berbaum, selbst erfolgreicher Immobilieninvestor und Headliner der Konferenz, Strafanzeige gegen alle Beteiligten gestellt haben.

Matthias Beerbaum (l.) hat Anzeige gestellt. Robert Hoffmann berichtet permanent.

Matthias Beerbaum (l.) hat Anzeige gestellt. Robert Hoffmann berichtet permanent.

Die Kommentarspalten kochen über

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind verheerend. Reichweitenstarke Influencer, Immobilienprofis und Investoren mit hunderttausenden Followern machen mobil. Sie fühlen sich betrogen, im Stich gelassen – und sie haben die Mittel, um richtig Welle zu machen. Matthias Berbaum spricht offen von Betrug, der „Mr. Erfolgsfuchs" äußert sich kritisch, Robert Hoffmann veröffentlicht ein langes Statement-Video.

Das Problem: Diese Zielgruppe ist alles andere als harmlos. Finanzstark, medial versiert, gut vernetzt – und abgehärtet. Immobilienleute sind es gewohnt, sich durchzubeißen. Wer sich mit dieser Gruppe anlegt und dann auch noch schweigt, der spielt mit dem Feuer.

Was hier schiefgelaufen ist – eine PR-Analyse

Aus kommunikativer Sicht ist dieser Fall ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Die Veranstalter haben praktisch jeden Fehler gemacht, den man machen kann:

1. Zu spät reagiert

Die Probleme waren seit Wochen bekannt. Statt frühzeitig transparent zu kommunizieren, wurde bis zuletzt so getan, als sei alles in Ordnung. Das erzeugt Misstrauen – und macht die Lage nur schlimmer.

2. Intransparenz und Verschleierung

Wichtige Informationen – wie der Ausstieg von Claessens oder die finanzielle Schieflage – wurden verschwiegen. Wer in der Krise nicht ehrlich ist, verliert jede Glaubwürdigkeit.

3. Kein professionelles Statement

Das veröffentlichte Statement auf der Website ist erschreckend dünn: Ein paar Zeilen, kein Zeitstrahl, keine Ansprechpartner, keine echten Antworten. Das reicht nicht, wenn Menschen fünfstellige Beträge verloren haben.

4. Presseanfragen ignoriert

Mehrere Presseanfragen – auch die des Autors dieses Artikels – blieben unbeantwortet. Das ist fatal. Denn wenn du nicht redest, reden die anderen. Und die erzählen ihre Version der Geschichte.

5. Keine Krisenkommunikation

Es gibt keine Info-Seite, keine FAQ, keine Moderation der Kommentare, keine vorbereiteten Statements. Stattdessen: Totenstille. Das Worst-Case-Szenario in der Krisenkommunikation.

Was jetzt passieren müsste

Aus PR-Sicht gibt es jetzt nur noch einen Weg: Radikale Transparenz und professionelle Kommunikation. Und zwar sofort. Konkret bedeutet das:

  • Ein ausführliches, ehrliches Statement: Was ist passiert? Wer trägt Verantwortung? Wie geht es weiter?
  • Eine eigene Info-Seite: Mit Zeitstrahl, Ansprechpartnern, FAQs und Updates für Betroffene.
  • Proaktive Medienarbeit: Presseanfragen beantworten, Interviews geben, die eigene Perspektive erklären.
  • Klare Positionierung der Beteiligten: Wer war wann involviert? Wer trägt welche Verantwortung?
  • Moderation und Community-Management: Kommentare ernst nehmen, auf Vorwürfe eingehen, Präsenz zeigen.

Wird das alles wieder gut machen? Nein. Aber es kann verhindern, dass der Schaden noch größer wird. Denn eines ist sicher: Dieser Skandal wird nicht einfach verschwinden. Er wird die Beteiligten jahrelang verfolgen – in Google-Suchergebnissen, in Branchengesprächen, bei Bankgesprächen, bei Baugenehmigungen.

Fazit: Schweigen ist keine Strategie

Die Cashflow-Conference ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell Reputation den Bach runtergehen kann – und wie sehr es schadet, wenn man in der Krise nicht kommuniziert. Die Veranstalter hatten alle Chancen, frühzeitig gegenzusteuern. Stattdessen haben sie gewartet, verschwiegen und gehofft, dass es irgendwie vorbeigeht.

Das Ergebnis: Ein Shitstorm, Strafanzeigen, ein massiver Reputationsschaden – und ein Name, der in der Branche verbrannt sein dürfte.

Die wichtigste Lektion: In der Krise ist Schweigen dein schlimmster Feind. Wer nicht redet, verliert die Kontrolle über die eigene Geschichte. Und die schreiben dann andere – garantiert nicht zu deinen Gunsten. Wenn du in einer ähnlichen Situation steckst: Hol dir professionelle Hilfe, kommuniziere transparent und nimm die Sache ernst. Denn deine Reputation ist oft das Wertvollste, was du hast.

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