Gartner-Prognose zur KI-Suche: Was Entscheider 2026 wirklich prüfen müssen
KI-Suche und Prognose
Seit Anfang 2024 kursiert eine Zahl, die in vielen Marketingabteilungen für Unruhe sorgt: Gartner prognostiziert, dass das klassische Suchmaschinenvolumen bis Ende 2026 um 25 Prozent zurückgehen wird, da Suchmarketing Marktanteile an KI-Chatbots und andere virtuelle Assistenten verliert. Ich bekomme diese Zahl seit Monaten in Erstgesprächen vorgelegt, meist mit der Frage, ob man SEO jetzt überhaupt noch braucht.
Meine Antwort darauf ist unbequem für beide Lager. Wer die Prognose ignoriert, verschläft eine Verschiebung, die bereits begonnen hat. Wer sie für gemessene Realität hält, kürzt Budgets auf Basis einer Erwartung. Dazwischen liegt die Frage, die wirklich weiterhilft: Taucht deine Marke in den Antworten auf, die ChatGPT und Perplexity ausgeben, und woran würdest du das überhaupt merken? Genau darum geht es hier.
Was hinter der Gartner-Prognose wirklich steckt
Die Gartner-Prognose sagt einen Rückgang des klassischen Suchmaschinenvolumens um 25 Prozent bis Ende 2026 voraus, veröffentlicht in einer Pressemitteilung vom 19. Februar 2024. Gartner-Analyst Alan Antin begründet das damit, dass generative KI-Lösungen zu Ersatz-Antwortsystemen werden, die Nutzeranfragen übernehmen, welche zuvor über klassische Suchmaschinen liefen.
Wie belastbar ist die oft zitierte Zahl von 25 Prozent Rückgang bis 2026?
Eine Prognose ist eine begründete Erwartung eines Marktforschungshauses, kein gemessener Wert. Gartner selbst formuliert sie als Vorhersage, nicht als Bestandsaufnahme. In der öffentlichen Zitierkette verliert sie diesen Charakter schnell: Aus "wird voraussichtlich zurückgehen" wird in Präsentationen "geht zurück". Ich halte das für den entscheidenden Übersetzungsfehler, weil er aus einer Planungsgrundlage einen Handlungsdruck macht, der so nicht belegt ist.
Was genau zählt Gartner zu klassischem Suchvolumen, und was nicht
Gartner bezieht die Aussage auf das Volumen klassischer Suchmaschinen, also auf Anfragen, die über eine Suchoberfläche mit Ergebnisliste laufen. Fragen, die stattdessen direkt an einen Chatbot gehen, zählen dort nicht mehr mit, auch wenn dieselbe Kaufabsicht dahintersteckt. Spannend ist der zweite Teil der Gartner-Aussage, der selten zitiert wird: Suchmaschinen sollen als Gegenreaktion stärker auf Qualität und Authentizität von Inhalten setzen, um der Flut KI-generierter Inhalte etwas entgegenzusetzen, denn Nutzen und Qualität von Inhalten bleiben laut Gartner weiterhin entscheidend für den Erfolg in der organischen Suche.
Die Prognose kündigt also keinen Abschied von guten Inhalten an, sondern deren Aufwertung, und genau deshalb lohnt der Blick darauf, was ein Antwortsystem für den Nutzer eigentlich anders macht.
Warum ChatGPT und Perplexity für Unternehmen überhaupt relevant werden
KI-Antwortsysteme verändern nicht die Nachfrage, sondern die Auswahl. Statt zehn Links zu zeigen, liefern ChatGPT und Perplexity einen fertig formulierten Text mit wenigen Quellen. Die Vorauswahl, die früher der Nutzer getroffen hat, trifft nun das System.
Worin unterscheidet sich eine KI-Antwort von einem klassischen Suchtreffer für den Nutzer
Bei einer klassischen Ergebnisliste wird jede gerankte Domain gesehen, auch auf Position sieben. In einer KI-Antwort existiert nur, wer genannt oder zitiert wird. Es gibt kein Durchscrollen und keine zweite Seite. Dass Nutzer sich darauf einlassen, zeigt eine frühere Gartner-Befragung von 299 Verbrauchern aus dem August 2023: 79 Prozent der Befragten erwarteten, KI-gestützte Suche innerhalb des nächsten Jahres zu nutzen, und 70 Prozent brachten generativen Suchergebnissen zumindest ein gewisses Vertrauen entgegen.
Ab welcher Zielgruppe oder Branche lohnt sich der Blick auf KI-Sichtbarkeit schon heute
Der Hebel ist nicht in jeder Branche gleich groß. Nach meiner Beobachtung aus der Projektarbeit profitieren vor allem Anbieter, deren Kunden lange recherchieren und komplexe Fragen stellen, bevor sie Kontakt aufnehmen:
- Erklärungsbedürftiges B2B: Technische Produkte und Anlagen, bei denen Einkäufer Spezifikationen vergleichen, statt nach einem Markennamen zu suchen.
- Beratungs- und Fachdienstleistungen: Kanzleien, Steuerberatung, Spezialagenturen, deren Interessenten zuerst das Problem beschreiben und dann nach Anbietertypen fragen.
- Hochpreisige Konsumentscheidungen: Angebote mit mehrwöchiger Recherchephase, in der Vergleichsfragen dominieren.
- Nischenmärkte mit wenigen Anbietern: Je kleiner das Anbieterfeld, desto wahrscheinlicher nennt ein Antwortsystem konkrete Namen.
In den B2B-Projekten, die wir betreuen, sehen wir genau dort die ersten messbaren Verweise aus Antwortsystemen, und das reicht aus, um die Frage nach der tatsächlichen Datenlage ernsthaft zu stellen.

Quellen prüfen und KI-Verweise erkennen
Was die aktuelle Datenlage zeigt und was nicht
Die verfügbaren Traffic-Daten stützen die Gartner-Prognose bisher nicht in ihrer Höhe. Eine spätere Auswertung von Traffic-Daten durch datos.live zeigte zwar einen Anstieg des Besucheranteils von OpenAI.com auf 17,9 Prozent und von Bing.com auf 15,1 Prozent, zugleich aber, dass Google weiterhin den größten Teil des Suchvolumens dominiert und sich kaum Hinweise auf den prognostizierten 25-prozentigen Rückgang finden ließen.
Verliert Google tatsächlich spürbar an Boden, oder ist das noch Spekulation
Beides zugleich, und das ist der Punkt, den viele Diskussionen verfehlen. Die Nutzung von KI-Systemen wächst messbar, der Einbruch der klassischen Suche ist bislang nicht messbar. Wer daraus ableitet, KI-Suche sei irrelevant, verwechselt einen kleinen Anteil mit einem kleinen Risiko. Wer daraus ableitet, Google sei erledigt, ignoriert die Daten von datos.live. Ich plane deshalb in den Projekten mit zwei Kanälen statt mit einer Ablösung.
Woran lässt sich im eigenen Unternehmen ablesen, ob KI-Suche schon eine Rolle spielt
Drei Signale lassen sich ohne Werkzeuginvestition prüfen, und sie sind aussagekräftiger als jede Marktprognose, weil sie aus dem eigenen Geschäft stammen:
- Referrer in der Webanalyse: Verweise von Domains wie chatgpt.com oder perplexity.ai tauchen als eigene Quelle auf, meist mit kleinen Zahlen und langer Verweildauer.
- Aussagen im Erstgespräch: Wie oft sagen Interessenten, sie hätten dich über eine KI oder einen Chat gefunden?
- Qualität statt Menge: Kommen über diese Quelle eher Preisanfragen oder eher vorqualifizierte Gespräche?

Weiterer Schritt: Manuelle Prüfung nach Herkunft
Wer diese drei Signale kennt, kann aufhören, über Prognosen zu diskutieren, und anfangen, den eigenen Status zu messen.
Was Entscheider jetzt konkret prüfen sollten
Die Prüfung der eigenen KI-Sichtbarkeit beginnt mit einer manuellen Stichprobe, nicht mit einem Tool-Abo. Entscheidend ist, ob die Marke in den Antworten auf die kaufrelevanten Fragen der Zielgruppe überhaupt auftaucht.
Wie findet man heraus, ob und wie die eigene Marke in ChatGPT- oder Perplexity-Antworten vorkommt
Nimm die zehn Fragen, die deine Interessenten vor einer Anfrage wirklich stellen, und stelle sie in ChatGPT und Perplexity. Nicht "beste Agentur für X", sondern die Problemformulierung, mit der ein Einkäufer startet. Dokumentiere drei Dinge: welche Anbieter genannt werden, welche Quellen verlinkt sind, und ob die Angaben über dein Unternehmen stimmen. Der dritte Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Veraltete Leistungsbeschreibungen und falsche Standortangaben in KI-Antworten haben wir in Projekten mehrfach gefunden, und sie stammten fast immer aus Fremdquellen, nicht von der eigenen Website.

Qualität schlägt Menge, bei KI sowie bei Google
Welche Schritte lassen sich schon vor einer vollständigen Strategie sinnvoll umsetzen
Vor jeder größeren Strategieentscheidung sind vier Maßnahmen umsetzbar, die ohnehin auf das klassische Ranking einzahlen und deshalb kein verlorenes Budget sind:
- Nullmessung dokumentieren: Antworten auf die zehn Kernfragen mit Datum festhalten, um Veränderungen später belegen zu können.
- Fakten konsistent machen: Leistungen, Standorte, Zahlen und Ansprechpartner auf Website, Profilen und Verzeichnissen identisch halten, weil Antwortsysteme aus genau diesen Quellen zusammensetzen.
- Inhalte zitierfähig bauen: Klare Definitionen, konkrete Zahlen mit Herkunft und eindeutige Aussagen statt Werbefloskeln, denn genau diese Passagen werden extrahiert.
- Externe Erwähnungen aufbauen: Fachbeiträge, Branchenmedien und Referenzen, da Systeme Marken bevorzugt nennen, die mehrfach unabhängig beschrieben werden.
Wie wir diese Punkte in der laufenden Betreuung verbinden, zeigt unsere Arbeitsweise in der Suchmaschinenoptimierung, und wer die Ausgangslage erst einmal sauber erfasst haben will, findet den Einstieg über eine strukturierte Bestandsaufnahme der Sichtbarkeit.
Fazit: Prognose ernst nehmen, Daten ernster
Gartner sagt einen Rückgang des klassischen Suchvolumens um 25 Prozent bis Ende 2026 voraus, die Traffic-Auswertung von datos.live findet dafür bislang kaum Belege, und beides ist kein Widerspruch, sondern ein Zeitfenster. Wer jetzt Inhalte baut, die Qualität und Nachprüfbarkeit liefern, bedient beide Kanäle gleichzeitig, weil laut Gartner Nutzen und Qualität von Inhalten für die organische Suche entscheidend bleiben. Öffne ChatGPT, stelle die wichtigste Frage deiner Kunden und schau nach, ob dein Unternehmen in der Antwort vorkommt. Diese fünf Minuten sagen dir mehr über deinen Handlungsbedarf als jede Marktprognose.