GOÄ-Reform 2028: Warum deine Praxis jetzt handeln muss – bevor das Telefon klingelt
Neue Abrechnung, alte Telefonlast: Die GOÄ-Reform trifft die Rezeption.
Du hast es vermutlich längst mitbekommen: Die GOÄ wird reformiert. Und diesmal ist es keine kosmetische Anpassung – es ist die größte Umstellung im Abrechnungssystem für Privatpatienten seit über 40 Jahren. Der Entwurf steht, die Ministerin hat einen Zeitplan kommuniziert, und die meisten Praxisinhaber denken: „Wenn es soweit ist, kümmern wir uns." Doch genau diese Haltung könnte teuer werden. Nicht nur finanziell, sondern vor allem mit der Zeit deines Teams. Denn die GOÄ-Reform wird dein Telefon zum Glühen bringen – und zwar genau dann, wenn du es am wenigsten gebrauchen kannst.
Was sich wirklich ändert – und warum das mehr ist als neue Ziffern
Die aktuelle Gebührenordnung stammt aus dem Jahr 1982. Damals gab es weder Smartphones noch digitale Patientenakten. Die letzte echte Überarbeitung? 1996. Seitdem hat sich die Medizin weiterentwickelt – das Abrechnungssystem nicht. Der neue Entwurf, den der 129. Deutsche Ärztetag im Mai 2025 in Leipzig mit großer Mehrheit verabschiedet hat, will das ändern. Und zwar radikal.
Rund 5.500 neue Gebührenpositionen
Statt der alten Struktur gibt es künftig ein komplett neues Ziffernverzeichnis mit etwa 5.500 Gebührenpositionen – Hauptleistungen und Zuschläge zusammengerechnet. Das bedeutet: Deine Abrechnungssoftware muss neu konfiguriert, dein Team muss geschult werden, und du selbst musst verstehen, wie die neuen Positionen ineinandergreifen.
Schluss mit Steigerungsfaktoren
Bisher konntest du Leistungen mit Steigerungsfaktoren zwischen 1,0 und 3,5 abrechnen – je nach Schwierigkeit, Zeitaufwand oder besonderen Umständen. Das fällt weg. Stattdessen gibt es feste Europreise pro Leistung. Für viele Praxen bedeutet das mehr Transparenz – aber auch weniger Flexibilität. Und für Patienten? Eine Rechnung, die völlig anders aussieht als alles, was sie bisher kannten.
„Sprechende Medizin" wird aufgewertet
Beratungs- und Gesprächsleistungen bekommen mehr Gewicht. Das ist grundsätzlich gut – gerade für Fachrichtungen, die viel Zeit mit Anamnese und Aufklärung verbringen. Aber auch hier gilt: Die neuen Positionen müssen erklärt werden. Und zwar nicht nur dir, sondern auch deinen Patienten.

Rund 5.500 neue Gebührenpositionen – die GOÄ-Umstellung ist kein Selbstläufer.
Wann kommt die Reform wirklich?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat für Mitte 2026 einen Regelungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums angekündigt. Das Verordnungsverfahren soll laut aktuellem Plan im Sommer 2027 abgeschlossen sein. Realistisch wird das Inkrafttreten aber frühestens 2027, nach Einschätzung des Berufsverbands der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) wahrscheinlich erst 2028 erwartet.
Das klingt nach viel Zeit. Ist es aber nicht. Denn zwischen „die Verordnung gilt" und „die Praxis läuft damit reibungslos" liegen Monate der Vorbereitung. Software umstellen, Dokumentationslogik anpassen, Team schulen, Patientenkommunikation vorbereiten – all das passiert nicht über Nacht.
Wer ist überhaupt betroffen?
Alle Praxen, die Privatpatienten nach GOÄ abrechnen. Egal ob reine Privatpraxis oder gemischte Praxis mit GKV- und Privatpatientenanteilen. Reine GKV-Praxen ohne Privatpatientenabrechnung sind nicht direkt betroffen. Aber für alle anderen gilt: Die Reform ist keine Option – sie ist Pflicht.
Was die meisten unterschätzen: die Anrufwelle nach der Umstellung
Stell dir vor: Deine ersten Rechnungen nach neuem System gehen raus. Die Patienten öffnen den Briefumschlag – und verstehen Bahnhof. Keine Steigerungsfaktoren mehr. Neue Ziffern. Andere Struktur. Andere Beträge als erwartet. Was machen sie? Sie rufen an.
Und zwar nicht ein oder zwei Mal. Sondern systematisch. Jede Rechnung, die Fragen aufwirft, wird zum Telefonat. Jedes Telefonat bindet eine MFA. Jede gebundene MFA fehlt in der Patientenversorgung. Und das alles in einer Phase, in der du ohnehin schon mit der Umstellung beschäftigt bist.
Das ist kein Abrechnungsproblem – es ist ein Organisationsproblem
Viele Praxisinhaber denken: „Meine MFA erklärt das kurz." Aber eine kurze Erklärung zu einer GOÄ-Position ist selten kurz. Und 20 solcher Anrufe pro Tag sind kein Einzelfall – sie sind ein strukturelles Problem. Die GOÄ-Reform ist zwar primär ein Abrechnungsthema, aber ihre praktische Konsequenz landet am Telefon. Und genau darauf solltest du vorbereitet sein.
Typische Anrufszenarien nach der Umstellung:
- „Warum steht da kein Faktor mehr auf der Rechnung?"
- „Was bedeutet Ziffer XY genau?"
- „Warum ist der Betrag höher/niedriger als beim letzten Mal?"
- „Übernimmt das meine Versicherung?"
- „Kann ich mit Ihnen über den Preis sprechen?"
Jeder dieser Anrufe ist berechtigt. Jeder kostet Zeit. Und keiner davon lässt sich vermeiden – außer du organisierst dein Telefon neu.

Strukturierte Handoffs statt Unterbrechung: So bleibt die Rezeption ruhig.
Was du jetzt tun kannst – auch wenn die Reform noch nicht gilt
Du kannst nicht verhindern, dass die GOÄ sich ändert. Aber du kannst verhindern, dass dein Team unter der Umstellung zusammenbricht. Hier sind vier konkrete Schritte, die du jetzt schon gehen kannst:
1. Plane die Umstellung als Projekt, nicht als Termin
Die GOÄ-Reform ist kein Stichtag, an dem du eine Checkbox abhakst. Es ist ein Veränderungsprozess, der Software, Team und Kommunikation betrifft. Plane Pufferzeit ein – gerade für die ersten Wochen nach Inkrafttreten.
2. Schulung vor Umstellung, nicht danach
Dein Team sollte die neuen Positionen kennen, bevor die erste Rechnung rausgeht. Nicht im Detail – aber gut genug, um die häufigsten Patientenfragen souverän beantworten zu können.
3. Bereite Patientenkommunikation vor
Ein Merkblatt, ein kurzer Infotext auf der Website, ein Aushang im Wartezimmer – all das hilft, die Anrufzahl zu senken. Patienten, die verstehen, warum sich die Rechnung ändert, fragen seltener nach.
4. Strukturiere dein Telefon neu – bevor die Welle kommt
Wenn Patienten Rechnungen nicht verstehen, rufen sie an. Diese Anrufe sind inhaltlich begrenzt, aber zeitintensiv. Jeder dieser Anrufe zieht eine MFA aus der Patientenversorgung. Überlege dir, wie dein Team diese Anrufkategorie effizient bearbeiten kann – oder ob es Sinn macht, einen Teil dieser Anrufe strukturiert vorzuqualifizieren, bevor sie beim Team landen.
Fazit: Die GOÄ-Reform ist mehr als Abrechnung – sie ist Praxisorganisation
Die neue GOÄ verändert, wie du abrechnest. Aber sie verändert auch, wie viele Patienten danach anrufen. Wer das Telefon nicht strukturiert, zahlt die Abrechnungsreform mit MFA-Zeit. Und das kannst du dir in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Personalkosten nicht leisten.
Die gute Nachricht: Du hast noch Zeit. Aber nur, wenn du jetzt anfängst. Nicht erst, wenn die Verordnung gilt. Sondern jetzt – in der Vorbereitungsphase, in der du noch gestalten kannst, statt nur zu reagieren.
Du bist unsicher, wie du dein Team auf die Umstellung vorbereitest – oder wie du die Anrufwelle nach der Reform auffangen sollst? Lass uns in einem unverbindlichen Erstgespräch über deine individuelle Situation sprechen. Weil jede Praxis echte Entlastung verdient.