Marvin vs. Doc Alina Shitstorm-Reaktion: Diese 3 Fehler machen alles noch schlimmer
Schlechte Kommunikation sorgt zurecht für Shitstorms
Stell dir vor, ein Journalist deckt öffentlich auf, dass du für ein erfundenes Produkt gegen eine erfundene Krankheit Werbung gemacht hast. Dein Name steht plötzlich in einem viral gehenden Video, Zehntausende Menschen sehen zu, wie deine Glaubwürdigkeit in Echtzeit zerbröselt. Was machst du jetzt? Genau in dieser Situation steckten kürzlich drei Medizinfluencer, denen ein investigativer YouTuber ein Fake-Produkt untergejubelt hatte, um zu testen, ob sie kritiklos dafür werben. Alle drei taten es, alle drei bekamen ihr Fett weg, und alle drei mussten sich anschließend öffentlich erklären.
Genau dieser Moment danach ist der spannende Teil. Denn wie du auf einen Shitstorm reagierst, entscheidet oft viel mehr über deinen Ruf als der ursprüngliche Fehler selbst. Als PR-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Reputationsarbeit für Unternehmen und Einzelpersonen beobachte ich solche Fälle mit großem Interesse, weil sie wie ein Lehrbuch zeigen, was man tun und vor allem lassen sollte. Und genau das schauen wir uns jetzt anhand dieser drei sehr unterschiedlichen Reaktionen an.
Drei Kandidaten, drei Strategien, drei Ergebnisse
Die Ausgangslage war für alle drei identisch: Ein YouTuber hatte ihnen unter falscher Flagge ein Fake-Produkt geschickt, teilweise mit einer erfundenen Krankheit als Verkaufsargument. Alle drei bewarben es begeistert, alle drei wurden anschließend in einem großen Enthüllungsvideo bloßgestellt. Der spannende Teil begann erst danach, denn die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein.

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Die Beste im Feld: Kurz, ehrlich, wirksam
Die erste Reaktion kam von einer Anbieterin, die mit einer angeblich medizinischen Badebombe geworben hatte. Sie schrieb eine E-Mail, in der sie zugab, die Kooperation nicht ausreichend geprüft zu haben, und übernahm dafür Verantwortung. Die E-Mail selbst war zwar sprachlich etwas unrund und stellenweise widersprüchlich, aber im Kern hat sie das Wichtigste richtig gemacht: Sie hat sich entschuldigt und keine falschen Behauptungen aufgestellt.
Das ist kein Zufall, sondern kluge Psychologie. Menschen verzeihen Fehler erstaunlich gern, wenn jemand ehrlich Reue zeigt. Eine Entschuldigung, die authentisch wirkt und nicht in Ausreden abdriftet, kann einen Shitstorm spürbar abmildern. Genau das ist hier passiert: Von den drei Reaktionen kam diese am glimpflichsten davon.
Der Ignorant: Unsympathisch und selbstgerecht
Deutlich schlechter lief es beim zweiten Fall, einem Anbieter, der ein Nasenspray-Produkt gegen eine ausgedachte Krankheit beworben hatte. Statt sich sachlich zu äußern, reagierte er patzig auf Anfragen, ignorierte Nachrichten und erklärte am Ende, wer der Journalist überhaupt sei, interessiere ihn nicht. Als Krönung behauptete er noch, Werbung im Internet würde ohnehin nicht wirken, weshalb er ja gar keinen Schaden angerichtet habe.
Diese Logik fiel ihm sofort auf die Füße, denn wenn Werbung nicht wirkt, warum bewirbt er dann selbst ständig seine eigenen Angebote? Zusätzlich kam heraus, dass er öffentlich behauptet hatte, allein durch Gebete körperliche Fehlstellungen heilen zu können. Das Ergebnis: Er wirkte nicht geläutert, sondern zusätzlich unseriös und unsympathisch. Eine Reaktion, auf die er komplett hätte verzichten sollen.
Die Katastrophe: Lügen, Ausreden und ein Anwalt von der Leine
Der dritte Fall zeigt, wie man es wirklich nicht machen sollte. Die betroffene Person hatte für eine komplett erfundene Krankheit geworben und versuchte im Nachhinein allen Ernstes zu behaupten, die Krankheit existiere tatsächlich. Eine riskante Strategie, denn wenn du einem Journalisten öffentlich Unrecht unterstellst, obwohl er nachweislich recht hat, fühlst du dich nicht nur angreifbar, du forderst geradezu noch intensivere Recherche heraus.

Shitstorms sind meist komplett vermeidbar.
Es kam noch dicker: In offiziellen E-Mails hatte sie sich als Ärztin bezeichnet, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt lediglich das Studium abgeschlossen, aber noch keine Approbation erhalten hatte. Als das aufflog, schob sie die Schuld auf ihre Assistentin, die angeblich versehentlich die falsche Berufsbezeichnung verwendet habe. Kurz darauf tauchte allerdings ein Podcast auf, in dem sie selbst und in der Ich-Perspektive verkündete, sie sei nun endlich Ärztin geworden, und zwar exakt an jenem Tag, an dem die fragliche E-Mail verschickt wurde.
Damit nicht genug: Zusätzlich behauptete sie, ein Studium in Harvard zu absolvieren, tatsächlich handelte es sich lediglich um einen kostenpflichtigen Sommerkurs ohne echten akademischen Anspruch. On top schaltete sie einen Anwalt ein, der Drohmails an Kritiker verschickte, was wiederum in weiteren Videos öffentlich zitiert wurde. Das Ergebnis: massiver Reichweitenverlust, wahrscheinlicher Verlust von Kooperationspartnern und im schlimmsten Fall sogar Probleme bei der Zulassung als Ärztin, da Approbationsbehörden auch die charakterliche Eignung prüfen.
Die wichtigsten Fehler auf einen Blick
| Fehler | Warum er so gefährlich ist |
|---|---|
| Öffentlich widersprechen, obwohl man nicht zu 100 % recht hat | Zieht noch mehr Aufmerksamkeit und intensivere Recherche an |
| Schuld auf Dritte schieben (Assistentin, Management, Anwalt) | Wirkt unglaubwürdig und wird oft leicht widerlegt |
| Unwahre Aussagen verbreiten | Zerstört jeden Rest an Vertrauen, sobald es auffliegt |
| Aggressiv mit Anwaltsdrohungen reagieren, ohne PR-Abstimmung | Liefert neuen Zündstoff für weitere Berichterstattung |
| Arrogant oder gleichgültig auftreten | Macht dich zusätzlich unsympathisch, unabhängig vom eigentlichen Vorwurf |
Was du aus diesen drei Fällen lernen kannst
Die gute Nachricht: Aus diesen drei sehr unterschiedlichen Reaktionen lassen sich klare Prinzipien ableiten, die du dir merken solltest, falls du selbst jemals in eine ähnliche Situation gerätst, sei es beruflich oder privat.
Hier die zentralen Handlungsschritte, wenn du selbst öffentlich mit Vorwürfen konfrontiert wirst:
- Prüfe die Vorwürfe ehrlich. Bevor du reagierst, verschaffe dir Klarheit darüber, was tatsächlich an den Anschuldigungen dran ist.
- Widerspreche nur, wenn du zu 100 Prozent recht hast. Alles andere befeuert die Berichterstattung zusätzlich.
- Übernimm Verantwortung, wenn du einen Fehler gemacht hast. Eine ehrliche Entschuldigung wirkt oft überraschend versöhnlich.
- Schiebe niemandem die Schuld zu, weder Assistenten noch Managern noch Geschäftspartnern. Das wirkt fast immer durchschaubar.
- Hole dir professionelle Unterstützung. Ein presserechtlich erfahrener Anwalt und erfahrene PR-Beratung helfen dir, Formulierungen zu finden, die dich nicht noch tiefer in Schwierigkeiten bringen.
- Bleib ruhig und sachlich. Emotionale oder patzige Reaktionen machen dich zusätzlich angreifbar, unabhängig vom eigentlichen Thema.
Fazit: Die Reaktion entscheidet mehr als der Fehler selbst
Alle drei hier beschriebenen Fälle zeigen eindrucksvoll, dass der ursprüngliche Fehler oft gar nicht das größte Problem ist. Entscheidend ist, wie du danach kommunizierst. Eine kurze, ehrliche Entschuldigung kann einen Shitstorm deutlich abmildern. Arroganz, Ausreden und erst recht Lügen hingegen gießen Öl ins Feuer und sorgen dafür, dass aus einem einmaligen Fehler eine dauerhafte Reputationskrise wird.
Beobachte dich selbst das nächste Mal, wenn du in einer Diskussion, beruflich oder privat, kritisiert wirst. Merkst du den Impuls, dich sofort zu rechtfertigen oder jemand anderem die Schuld zu geben? Genau in diesem Moment lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu überlegen, welche Reaktion dir wirklich langfristig hilft.
Sollte ich mich bei jedem Vorwurf sofort öffentlich äußern?
Nein, nicht zwingend. Manchmal ist Schweigen oder das ruhige Weiterführen des Tagesgeschäfts die klügere Strategie, besonders wenn eine öffentliche Stellungnahme die Aufmerksamkeit nur weiter anheizen würde.
Wann macht eine Entschuldigung wirklich Sinn?
Immer dann, wenn die Vorwürfe zutreffen. Eine ehrliche, kurze Entschuldigung ohne Ausreden wird von den meisten Menschen positiv aufgenommen und kann einen Shitstorm spürbar entschärfen.
Warum ist es so gefährlich, Journalisten öffentlich zu widersprechen?
Weil du damit signalisierst, dass noch mehr Informationen ans Licht kommen könnten. Das motiviert Journalisten und YouTuber oft dazu, noch tiefer zu recherchieren, besonders wenn dein Widerspruch nicht zu 100 Prozent haltbar ist.
Bringt es etwas, einen Anwalt einzuschalten?
Das kann sinnvoll sein, allerdings nur mit jemandem, der presse- und äußerungsrechtlich erfahren ist und eng mit einer durchdachten Kommunikationsstrategie zusammenarbeitet. Unkoordinierte Drohmails wirken dagegen fast immer kontraproduktiv.
Kann man sich von einem Shitstorm komplett erholen?
Ja, das ist möglich, erfordert aber Zeit, Konsequenz und vor allem eine ehrliche Aufarbeitung der eigenen Fehler. Wer stattdessen weiter leugnet oder ausweicht, verlängert die Krise oft unnötig.