Wenn die TI ausfällt, kippt dein Praxistelefon – warum der 30. Juni 2026 zählt

Wenn digitale Kanäle ausfallen, wird das Telefon zum einzigen Anlaufpunkt für Patienten.

Wenn digitale Kanäle ausfallen, wird das Telefon zum einzigen Anlaufpunkt für Patienten.

Stell dir vor, es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Deine Praxis läuft auf Hochtouren. Und dann das: Die Telematikinfrastruktur steht. Kein E-Rezept, keine eAU, kein Zugriff auf die ePA. Apotheken schicken verunsicherte Patienten zurück. Und plötzlich klingelt das Telefon – immer wieder, ohne Pause. Genau dieses Szenario droht tausenden Praxen ab dem 30. Juni 2026, wenn alte RSA-Zertifikate gesperrt werden. Das Problem ist nicht, dass dein Telefon ausfällt. Das Problem ist, dass es ertrinkt.

Die RSA-auf-ECC-Umstellung: Was du jetzt wissen musst

Die Telematikinfrastruktur stellt das Verschlüsselungsverfahren von RSA 2048 auf ECC (Elliptic Curve Cryptography) um – ein notwendiger Sicherheitsschritt, der allerdings mit knallharten Fristen verbunden ist.

Die Fakten im Überblick:

  • Die Konnektor-Deadline ist bereits abgelaufen (31.12.2025). Rund 10.000 veraltete Konnektoren mussten bis dahin getauscht werden.
  • Die Karten-Deadline steht unmittelbar bevor: Am 30. Juni 2026 werden alle elektronischen Heilberufsausweise (eHBA) und Praxisausweise (SMC-B) mit RSA-Zertifikat gesperrt.
  • Laut KBV sind mehr als 50.000 eHBAs nicht ECC-fähig – das ist kein Nischenproblem.
  • Konnektoren, die grundsätzlich ECC-fähig sind, benötigen das PTV-6-Firmware-Update. Die Firmware ist seit Mai 2026 verfügbar.

Alternativ kannst du auf ein TI-Gateway umsteigen – eine cloudbasierte TI-Anbindung über ein zertifiziertes Rechenzentrum, die ohne Hardware-Konnektor auskommt.

Was passiert, wenn du die Frist verpasst?

Ohne gültige ECC-Zertifikate auf deinem eHBA und deiner SMC-B hast du keinen Zugang mehr zur TI. Konkret bedeutet das:

  • Kein E-Rezept
  • Keine eAU
  • Kein eArztbrief
  • Kein Zugriff auf die elektronische Patientenakte

Du musst auf Ersatzverfahren umschalten – vor allem auf Muster-16-Papierrezepte und händische Dokumentation. Klingt nach Rückschritt? Ist es auch. Und es kommt noch dicker: Ersatzverfahren sind laut BMV-Ä nur für Einzelfälle und begrenzte Zeiträume vorgesehen – nicht für den Dauerbetrieb.

Die Telefon-Kollaps-Kette: Warum der indirekte Schaden verheerend ist

Jetzt wird's kritisch. Denn das eigentliche Problem beginnt nicht bei der Technik, sondern beim Menschen – genauer gesagt: bei deinen Patienten.

So läuft die Kette ab:

  1. Digitale Service-Kanäle fallen weg. Online-Rezeptbestellung? Fehlanzeige. Digitale Formulare? Nicht verfügbar. Was bleibt, ist der einzige analoge Kanal: das Telefon.
  2. Hunderte verunsicherter Patienten greifen gleichzeitig zum Telefon – nicht weil dein Telefon gestört ist, sondern weil sie keine andere Anlaufstelle mehr haben.
  3. Erklärungsbedarf verlängert Telefonate. Patienten, die wie gewohnt anrufen, um ihr E-Rezept zu bestellen, müssen mühsam aufgeklärt werden: „Die TI ist down, das E-Rezept geht nicht. Sie müssen persönlich vorbeikommen und ein Papierrezept abholen.“ Jedes Telefonat dauert plötzlich dreimal so lang.
  4. Ersatzverfahren binden dein Personal vor Ort. Papierrezepte händisch ausfüllen, manuelle Dokumentation – all das kostet Zeit. Genau die MFAs und ZFAs, die normalerweise auch Anrufe entgegennehmen, sind jetzt am Tresen gebunden.

Das Ergebnis: Die Kapazität am Telefon sinkt, während das Anrufvolumen explodiert. Und eine durchschnittliche Haus- oder Zahnarztpraxis erhält ohnehin schon 100 bis 200 Anrufe pro Tag. In jeder dritten Praxis beklagen Patienten regelmäßig Schwierigkeiten, telefonisch durchzukommen.

Wenn das E-Rezept nicht abrufbar ist, bleibt Patienten oft nur der Weg zurück in die Praxis. 

Wenn das E-Rezept nicht abrufbar ist, bleibt Patienten oft nur der Weg zurück in die Praxis. 

Was wir aus bisherigen TI-Störungen gelernt haben

Das Szenario ist nicht hypothetisch. Seit der verbindlichen Einführung des E-Rezepts gab es über 20 größere zentrale Störungen. Bei jeder einzelnen konnten Apotheken E-Rezepte nicht von der Gesundheitskarte abrufen. Patienten wurden an die Praxis zurückverwiesen – und Apotheker berichten übereinstimmend, dass Praxen in solchen Fällen telefonisch kaum erreichbar sind.

Der 30. Juni 2026 droht nicht eine einzelne Störung zu werden, sondern ein flächendeckender Ausfall bei tausenden Praxen, die die Frist verpassen. Die Ersatzverfahren sind dafür nicht dimensioniert. Und dein Telefon auch nicht.

Drei typische Missverständnisse, die dich teuer zu stehen kommen

„Wenn die TI ausfällt, ist die Praxis nicht mehr erreichbar."

Falsch. TI und Telefonnetz (ob VoIP oder klassisch) sind technisch unabhängig. Dein Telefon funktioniert weiter. Das Problem ist nicht der Ausfall des Kanals, sondern seine Überlastung durch den Wegfall aller anderen Kanäle.

„Ersatzverfahren fangen alles auf – Muster 16 regelt das."

Nur bedingt. Ersatzverfahren sind für Einzelfälle konzipiert. Bei einem systemischen Engpass – etwa weil tausende Praxen die Frist verpassen – entsteht ein Kollaps, für den die Ersatzverfahren nicht ausgelegt sind.

„Das ist ein reines IT-Problem – unser Dienstleister kümmert sich."

Die technische Umstellung mag dein IT-Dienstleister erledigen. Aber die organisatorischen Folgen – Personalengpass, Telefonflut, verärgerte Patienten – landen bei dir und deinem Team.

Wie KI-gestützte Telefonassistenz die Welle abfängt

Genau hier setzt KINAQ an. Ein KI-gestützter Telefonassistent fängt die Anrufflut ab, sortiert vor (Rezept-Nachfrage vs. medizinischer Notfall vs. Terminwunsch), gibt automatisierte Rückmeldungen an verunsicherte Patienten und hält deinem Praxisteam den Rücken frei – besonders in der analogen Krisenbewältigung.

Wichtig: KINAQ ersetzt keine Fachkraft. Die Lösung nimmt die Anrufflut ab, damit sich MFAs und ZFAs auf die Patienten vor Ort und die fachliche Arbeit konzentrieren können. In der Krise ist das Telefon nicht das Problem, sondern die letzte Verbindung zum Patienten – aber nur, wenn es nicht selbst unter dem Ansturm zusammenbricht.

Was du jetzt tun solltest

  1. Prüfe den Status deiner eHBAs und SMC-B-Karten. Sind sie ECC-fähig? Läuft das Zertifikat über den 30. Juni 2026 hinaus?
  2. Kläre mit deinem IT-Dienstleister, ob das PTV-6-Update installiert ist – oder ob ein Wechsel auf ein TI-Gateway sinnvoller ist.
  3. Bereite dein Team organisatorisch vor. Was passiert, wenn die TI ausfällt? Wer übernimmt welche Aufgabe? Wie kommuniziert ihr mit Patienten?
  4. Denke über Entlastung nach. Wenn digitale Kanäle wegbrechen, wird das Telefon zum Nadelöhr. Ein KI-gestützter Assistent kann den Unterschied machen zwischen Chaos und kontrollierter Ausnahmesituation.
Intelligente Telefonassistenz sortiert die Anrufflut vor — und hält dem Praxisteam bei TI-Ausfällen den Rücken frei.

Intelligente Telefonassistenz sortiert die Anrufflut vor — und hält dem Praxisteam bei TI-Ausfällen den Rücken frei.

Fazit: Der 30. Juni 2026 ist kein IT-Problem – es ist ein Patientenserviceproblem

Die RSA-auf-ECC-Umstellung ist kein technisches Detail, das sich im Hintergrund erledigt. Sie ist ein Stresstest für deine gesamte Praxisorganisation. Wer die Frist verpasst, verliert nicht nur den Zugang zur TI – er riskiert, dass das Telefon zur Sollbruchstelle wird, an der die Patientenzufriedenheit und die Belastungsgrenze des Teams aufeinanderprallen.

Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen. Die Firmware ist verfügbar, Alternativen stehen bereit, und Entlastung ist möglich. Aber nur, wenn du jetzt handelst.

Du bist unsicher, ob deine Praxis betroffen ist oder wie du dich am besten vorbereitest? In einem unverbindlichen Erstgespräch mit KINAQ klären wir gemeinsam deine individuelle Situation – und zeigen dir, wie echte Entlastung aussieht, auch wenn die Digitalisierung mal wieder hakt.

Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und basiert auf dem Sachstand vom Juni 2026 sowie den aktuell geltenden Vorgaben von BMV-Ä und gematik.

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